William Shaw: Abbey Road Murder Song

London, Beatlemania und ein totes Fangirl…
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Abbey Road Murder Song besticht ja auf den ersten Blick schon durch das tolle Cover! Der Inhalt, den uns William Shaw hier präsentiert, bestätigt diesen ersten Eindruck. Es ist der Auftakt zu einer Krimireihe, die Ende der 1960er-Jahre in London spielt.

Abbey Road Murder Song – Darum geht’s:

London, Oktober 1968: In den Abbey Road Studios entstehen die wichtigsten Alben der Swinging Sixties. Jeden Tag warten hunderte Mädchen darauf, einen Blick auf ihre Idole – die Beatles – werfen zu können. Nur eine Straßenecke weiter wird in einem schmutzigen Hinterhof die nackte Leiche einer jungen Frau gefunden und niemand weiß, wer sie ist. Detective Cathal Breen und seine Kollegin Helen Tozer haben die Vermutung, dass sie ein Beatles-Fan gewesen sein muss. Ihre Suche führt sie zum Beatles-Fanclub und sogar zu George Harrisons Haus. Doch der Grund, warum das Mädchen sterben musste, ist wesentlich tiefgründiger und tragischer.

Wer ist die Tote?

Diese Frage beschäftigt die Ermittlungen eine ganze Weile, nachdem die Leiche der jungen Frau gefunden wurde. Der Täter war äußerst gründlich und hat keinen Hinweis hinterlassen. Für die Suche nach ihrer Identität bekommt Detective Breen eine junge Polizistin an die Seite gestellt. Sie redet zu viel, fährt zu schnell und überschätzt ihre Fähigkeiten. Dennoch besitzt sie einen guten Spürsinn und es ist ihre Idee, dass die Tote vielleicht im Umfeld des Beatles-Fanclubs identifiziert werden könnte. So kommen die beiden nach und nach der Wahrheit auf die Spur, die – ohne spoilern zu wollen – letztlich nichts mit den „Fab Four“ zu tun hat.

Ambivalentes Lesevergnügen

Grundsätzlich haben mir die Story und vor allem auch das Setting im London der späten 1960er Jahre sehr gut gefallen. Das Buch liest sich flüssig und ähnlich wie das Ermittler-Duo hatte ich keine Ahnung, worum es wirklich geht und wieso das Mädchen sterben musste. Sprachlich hatte ich beim Lesen aber doch eher ambivalente Gefühle. Das Setting ist historisch und mit ziemlicher Sicherheit war der Umgangston in den Polizeirevieren zur damaligen Zeit rau und leider sehr frauenfeindlich. Das kommt im Roman allerdings auch unverblümt zum Tragen, genauso wie die rassistischen Tendenzen einiger Beamter. Wer Ungerechtigkeit gegenüber Frauen in Form von Beleidigungen und derben, sexistischen Witzen sowie bspw. das N-Wort schlecht ertragen kann, dem würde ich von diesem Buch abraten.

Wer damit umgehen kann und sich des Kontextes dazu bewusst ist, den erwartet durchaus ein spannender Krimi. Die Geschichte offenbart viele Missstände der Gesellschaft, lässt tief hinter die Kulissen der „Swinging Sixties“ blicken. Dazwischen versuchen Breen und Tozer sich zusammenzuraufen und zu ermitteln, um den Täter dingfest zu machen. Die Hintergründe der Tat sind völlig anders, als ich es erwartet hatte und das letzte Drittel des Buches ist richtig rasant. Das gefiel mir sehr gut. Ambivalent ist meine Meinung allerdings bzgl. des Täters – ich kann es jedoch nicht näher erklären, ohne dass ich alles verraten würde 😉

Fazit: Abbey Road Murder Song

Insgesamt hat mir Abbey Road Murder Song als Auftakt der Krimireihe gut gefallen. Cathal Breen ist mir sehr sympathisch, Helen Tozer hingegen hat mich zunächst genervt, doch mit der Zeit mochte ich auch sie. Letztlich geht es nicht so viel um Musik und speziell die Beatles, wie man es anhand des Klappentextes evtl. erwarten würde. Wie gesagt: Das Motiv, das dem Mord zugrunde liegt, ist ein völlig anderes und überrascht am Ende. Sprachlich mit Vorsicht und Reflexion hinsichtlich des historischen Kontextes zu genießen – daher eine etwas eingeschränkte Leseempfehlung an dieser Stelle.

Abbey Road Murder Song

Autor*in: William Shaw
Kategorie*n: Kriminalroman
ISBN: 978-3-518-46475-5
Verlag: Suhrkamp
Seiten: 472
Copyright: Suhrkamp

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