Sharon Dodua Otoo: Adas Raum

In Schleifen durch die Geschichte der Menschheit
Adas Raum Sharon Dodua Otoo

Adas Raum ist der erste Roman von Sharon Dodua Otoo, die bereits mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde. In ihrem Werk verwebt sie Lebensgeschichten und spinnt diese über Jahrhunderte und geografische Grenzen hinweg. Das Buch erschien im Februar 2021 beim Verlag S. Fischer.

Adas Raum – Darum geht’s:

Ada ist nicht nur eine, sondern viele Frauen. 1459 ist sie Mutter im westafrikanischen Totope und erlebt die Ankunft der Portugiesen, 1848 wird sie zur Computer-Pionierin. 1945 ist Ada Gefangene und Prostituierte in einem KZ und 2019 schließlich eine junge Schwangere auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Vier Zeiten, vier Geschichten, die über die Jahrhunderte in Schleifen miteinander verknüpft sind. Sie alle stehen stellvertretend für das Schicksal und auch das Glück, eine Frau zu sein.

Keine leichte Kost

Ich nehme jetzt einfach mal vorweg, dass es mir nicht allzu leicht gefallen ist, der Story bzw. den Geschichten zu folgen. Nicht weil es so kompliziert geschrieben ist, sondern weil meiner Meinung nach unglaublich viel zwischen den Zeilen steht und die Zeitsprünge teils nicht richtig nachvollziehbar sind. Die Autorin verwebt die vier Ada-Geschichten über Zeit und Raum miteinander und zu Beginn gefiel mir diese Idee sehr gut. Die Aufteilung nach sogenannten Schleifen verwirrte mich jedoch zunehmend, sodass mich die Story letztlich verloren hat.

Dinge zwischen den Schleifen

Neben den Adas spielen im Roman auch Dinge eine Rolle, denn sie erzählen die aus ihrer Perspektive von Ada. So ist der sächliche Erzähler im 15. Jhd. in Afrika ein Besen, im 19. Jhd. ein Türklopfer am Portal und später, 2019, ein britischer Reisepass. Das „Wesen“ hinter den Dingen verändert im Laufe der Zeit immer wieder seine Vergegenständlichung und „reist“ damit ebenso durch die Jahrhunderte wie Ada selbst. Auch diese Idee fand ich per se nicht schlecht, war jedoch teilweise genauso verwirrend wie die Ada-Storys selbst.

Habe ich etwas übersehen?

„Adas Raum“ wurde viel gelobt und beispielsweise als „literarisches Spiel mit Perspektiven“ (Anna Covell, Süddeutsche Zeitung, SZ Magazin, 22. April 2021) beschrieben. Dem gebe ich durchaus recht, denn sprachlich ist der Roman sicher etwas Besonderes. Ich lese ab und zu auch anspruchsvolle Romane oder solche, deren Botschaften zwischen den Zeilen stehen. Dennoch hat es mir dieses Buch nicht leicht gemacht – leider hatte ich immer wieder das Gefühl, etwas übersehen oder einfach nicht richtig verstanden zu haben. Stellenweise habe ich mich gefragt, ob ich zu doof für dieses Buch bin, da sich mir das, was andere darin gesehen haben, leider nicht offenbart hat. Das hat insgesamt meine Lesevergnügen doch stark getrübt.

Fazit: Adas Raum

Ich hatte mich sehr auf Adas Raum gefreut, doch leider konnte es mich nicht erreichen und damit auch nicht überzeugen. Mir ist die tiefere Botschaft zwar klar, doch sie hat mich nicht mit voller Wucht hinweggefegt, wie einige Pressestimmen suggerieren. Das zeigt mir einmal mehr, dass Lektüre doch sehr subjektiv ist. Am spannendsten fand ich die Geschichte der Ada, die 1945 Prostituierte im KZ ist, doch die kam leider recht kurz. Nein, ich muss gestehen, das war einfach nicht mein Buch.

Adas Raum

Autor*in: Sharon Dodua Otoo
Kategorie*n: Roman
ISBN: 978-3-10-397315-0
Verlag: S. Fischer
Seiten: 320

Jetzt kaufen bei: *

* Affiliate-Links zur kostenfreien Unterstützung dieses Blogs.