Leïla Slimani: All das zu verlieren

Ein Roman über die Leere, obwohl man alles hat
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All das zu verlieren ist ein zeitgenössischer Roman der französisch-marokkanischen Autorin Leïla Slimani. Wie auch in ihren anderen Büchern greift sie ein kontroverses Thema auf und beschäftigt sich mit der Frage: Was tun, wenn man alles hat und glücklich sein müsste, es aber nicht ist?

All das zu verlieren – Darum geht’s:

Adèle, Mittdreißigerin aus Paris, hat auf den ersten Blick alles: einen aufregenden Job, eine schicke Wohnung, einen kleinen Sohn und einen liebenden Ehemann. Und doch fehlt ihr etwas. Rastlos zieht sie durch die Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Ihr entgleitet mehr und mehr die Kontrolle, sie weiß, sie könnte alles verlieren und doch kann sie nicht aufhören.

Tanz am Abgrund

Mit einem recht nüchternen Schreibstil, den man bereits aus anderen Büchern von Slimani gewöhnt ist, schickt die Autorin den Leser auf eine Reise. Diese führt ihn gemeinsam mit Adèle immer näher und unaufhaltsam an den Abgrund. Die Frau, die alles hat und doch unglücklich und gelangweilt ist, zu begleiten, verursacht sehr gegensätzliche Gefühle – zumindest ging es mir so. Eine klare Einschätzung ist sehr schwierig, weil man sich unweigerlich fragt: Was würde ich tun? Die Antwort darauf ist ebenso subjektiv wie kompliziert.

Adèle – keine Sympathieträgerin

In gewissem Maße lässt sich Verständnis aufbringen für Adèle, doch viele Reaktionen konnte ich nicht nachvollziehen. Je gelangweilter sie ist, desto extremer fällt die Wahl der Liebhaber und der sexuellen Abenteuer aus. Sie kann an nichts anderes denken, es fällt ihr schwer, sich zu konzentrieren. Ihr perfektes Bild nach außen bekommt immer mehr Risse, alles droht, in sich zusammenzubrechen. Dieses unaufhörliche Bedürfnis, die eigene Welt zu erschüttern – fast zu zerstören – und vielleicht sogar die Hoffnung zu haben, endlich erwischt zu werden, ist extrem gut gezeichnet. Allerdings macht das die Protagonistin nicht gerade sympathisch – man möchte sie schütteln und am liebsten in Therapie schicken. Allerdings ist auch ihr familiärer Hintergrund nicht ganz einfach, doch das erklärt nicht alles an ihrem Verhalten.

Fazit: All das zu verlieren

All das zu verlieren ist nicht unbedingt leichte Kost und man sollte als LeserIn damit rechnen, gespaltene Gefühle für Adèle und ihre Situation zu entwickeln. Letztlich ist es ein kontroverser Roman über den Tanz am Abgrund, den man unbedingt selbst lesen sollte, um sich eine ganz eigene Meinung zu bilden. Einige werden ihn grandios finden – andere ganz sicher abstoßend. Hier gibt es kein klassisches Schwarz oder Weiß, sondern extrem viele Grauschattierungen dazwischen. Das Ende bleibt offen und ist ebenfalls der Fantasie des Lesers überlassen. Zusammenfassend ein klassischer Slimani –kontrovers, kritisch und zeitlos.

Gut zu wissen: Der Roman „All das zu verlieren“ ist am 11. Januar 2021 als Taschenbuch im btb-Verlag erschienen.

All das zu verlieren

Autor*in: Leïla Slimani
Kategorie*n: Roman
ISBN: 978-3-630-87553-8
Verlag: Luchterhand
Seiten: 224
Copyright: Luchterhand

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