Die Frau und der Fjord ist der erste Roman von Anette Strohmeyer, der zudem auf persönlichen Erfahrungen beruht. Krimifans kennen die Autorin wahrscheinlich unter dem Namen Anne Nørdby.
Die Frau und der Fjord – Darum geht’s:
Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes zieht sich Gro auf eine Insel in die Einsamkeit der Lofoten zurück. Ihr früheres Leben und den anspruchsvollen Job in der Erdölindustrie hat sie hinter sich gelassen. Ihre Fähigkeit, die Natur zu lesen, nutzt sie nicht mehr, um Ölvorkommen zu entdecken, sondern über die Insel zu streifen und Beeren und Kräuter zu sammeln. Langsam erholt sie sich von ihrem Verlust, doch mit der Ruhe ist es vorbei, als ein Fischer vor ihrer Insel havariert. Als außerdem ihr geliebter Fjord in Gefahr gerät, muss sie sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht.
Natur als Kraftquelle
Über insgesamt ein Jahr begleiten die Leser*innen Gro auf ihrer Insel und auf ihrer inneren Reise. Dabei fahren sie mit ihr in einem kleinen Boot durch den Fjord, um Besorgungen zu machen. Sie sitzen mit ihr in der Hütte am Funkgerät oder am Radio und vor allem streifen sie zusammen mit Gro durch die Natur der Lofoten. Im Wechsel der Jahreszeiten verändern sich das Grün, die Moose und Flechten, die Kräuter und Blumen. All das hilft der Protagonistin dabei, langsam zu heilen sowie Ruhe und schließlich sich selbst wiederzufinden. Ich persönlich habe beim Lesen die gleiche Ruhe empfunden und hatte das Gefühl, Gro und ihre Situation sehr gut zu verstehen.
„Seit Nicklas‘ Tod hatte sie jedoch null Sport gemacht. Woher sollte sie auch die Kraft dafür nehmen, wenn der bloße Alltag sie schon überforderte?“ (S. 122)
Einfühlsam und spannend
Mit ihrer Insel findet Gro einen Rückzugsort, der langsam zum Zuhause und zur Quelle ihrer Heilung wird. Was passiert jedoch, wenn das neu gefundene Heim bedroht wird – und das ausgerechnet von etwas, mit dem sich Gro sehr gut auskennt? Mir hat der Spannungsbogen, den Anette Strohmeyer hier gespannt hat, sehr gut gefallen. Gros Geschichte zeigt sehr gut, dass man eine Weile vor der Welt und sogar vor sich selbst fliehen kann. Doch die Vergangenheit gehört untrennbar zur eigenen Person und früher oder später holt sie einen ein. Auch Gro muss sich ihrem früheren Leben stellen und sich entscheiden, wie viel ihr die Insel, der Fjord und die Menschen, die dort wohnen, wert sind.
Fazit: Die Frau und der Fjord
Mich hat Anette Strohmeyers Roman im perfekten Moment abgeholt, ich habe viele Teile des Buches nicht nur gelesen, sondern gefühlt. Die Mischung aus langsamer Heilung, Natur- und Spannungselementen sowie die Konstellation der Figuren haben mir wirklich gut gefallen. Darüber hinaus macht das Buch Lust, selbst in den hohen Norden Norwegens zu reisen und all das mit eigenen Augen zu sehen. Ein einfühlsamer Roman, den ich absolut empfehlen kann!




