Anne Stern: Drei Tage im August

Eine Chocolaterie und ihre Gesichter
Anne Stern Drei Tage im August Sawade Berlin Schokolade Aufbau Verlage

Drei Tage im August – genauer im August 1936. Diesen Zeitraum hat Autorin Anne Stern für ihr neues Buch gewählt, das erste, das bei den Aufbau Verlagen erschienen ist. Im Zentrum der Geschichte steht Sawade, die älteste Chocolaterie Berlins…

Drei Tage im August – Darum geht’s:

Berlin, 5. August 1963: Die berühmte Straße Unter den Linden ist gesäumt von Hakenkreuzfahnen, während die Stadt im Olympiafieber ist. Mittendrin ist Elfie, Prokuristin in der Chocolaterie Sawade, die ihren Sitz an der einstigen Prachtstraße hat. Die älteste Schokoladenmanufaktur Berlins ist nicht nur für Elfie, deren stetiger Begleiter die Schwermut ist, eine Zuflucht. Doch die drei Tage im August halten neben dem Geheimnis um eine besondere Praline noch weitere Herausforderungen und Chancen für Elfie bereit.

Eine Chocolaterie im Zentrum des Geschehens

Um die Chocolaterie Sawade, die es auch heute noch gibt, und vor allem um die Namensgebung ranken sich Geschichten. Die seien an dieser Stelle selbstverständlich nicht verraten, denn auch das ist Teil der Geschichte in „Drei Tage im August“. Anne Stern setzt die Schokoladenmanufaktur ins Zentrum ihrer Story und lässt sie zu einem Ort werden, der Genuss und schokoladig-süße Fluchten aus dem Alltag bereithält. Eine Art Insel, gerade in ungewissen Zeiten, wie sie damals, im August 1936 herrschten. Mit dem Geschäft verbunden sind verschiedene Figuren, die den Ort maßgeblich prägen.

Besondere Figuren

Hauptfigur der Geschichte ist Elfie, eine Enddreißigerin, deren Alltag von gewissen Zwängen und Dämonen aus der Vergangenheit geprägt ist. Sie ist unsicher in unbekannten Situationen und schüchtern gegenüber neuen Bekanntschaften. Die Chocolaterie jedoch gibt ihr Halt, sodass Elfie ein unverzichtbarer Teil des Geschäfts ist. Neben ihr spielen auch die alte Madame Conte, der Buchhändler Marcus oder Heiner, Page im nahegelegenen Hotel Adlon, eine Rolle. Man kennt sich aus der Nachbarschaft Unter den Linden und selbst die Bäume erhalten in Anne Sterns Roman eine Stimme.

Ich war zunächst nicht ganz sicher, was ich von Elfie halten soll, doch nach und nach wurde sie mir sympathischer. Die Protagonistin steht sich – und nicht zuletzt ihrem Glück – häufig selbst im Weg. In jedem Fall war die Zeichnung des Charakters eine wirklich interessante Wahl im Vergleich zu anderen Protagonist*innen. Jede Figur im Buch hat mich auf ihre eigene Weise berührt – ganz besonders jedoch die des jüdischen Buchhändlers Franz Marcus. Ohne den geschichtlichen Zeigefinger zu erheben, schafft es die Autorin, die damaligen Umstände mit ihrer Story zu verknüpfen. Einiges steht zwischen den Zeilen und mancher Strang wird nicht aufgelöst. Doch für mich passt genau das perfekt zu diesem Episodenroman, der sich auf genau drei Tage im Leben der Protagonist*innen beschränkt.

Fazit: Drei Tage im August

Ich war von Anfang an sehr gespannt auf Anne Sterns Roman – und wurde nicht enttäuscht. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, ihre Geschichten tiefgründig und teils tragisch. Doch trotz einer gewissen Melancholie steckt Hoffnung in den Zeilen und die Gewissheit, dass es auch in schwierigen Zeiten Momente des Glücks gibt. Ich habe den Roman sehr gern gelesen und möchte ihn gern empfehlen. Am besten hat man beim Lesen etwas Schokolade griffbereit, denn spätestens bei der Beschreibung der Pralinenherstellung läuft einem das Wasser im Munde zusammen 😊

Drei Tage im August

Autor*in: Anne Stern
Kategorie*n: Historischer Roman
ISBN: 978-3-7466-3998-7
Verlag: Aufbau
Seiten: 352

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