Mary Ann Shaffer: Deine Juliet

Briefroman mit Inselflair, britischem Humor und starker Geschichte
Deine Juliet Mary Ann Shaffer Briefroman

Deine Juliet ist ein zweiteiliger Briefroman, der 2008 unter dem Originaltitel The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society erschien. Bei den letzten Änderungen wurde Mary Ann Shaffer von ihrer Nichte Annie Barrows unterstützt, erlebte aber die Veröffentlichung selbst nicht mehr. Der Roman birgt eine wundervolle Geschichte, aus der vor allem die Liebe zu Büchern und nicht zuletzt sehr viel Hoffnung spricht.

Darum geht’s:
Juliet Ashton, eine selbstbewusste junge Schriftstellerin aus London, erhält im Januar 1946 einen Brief von Dawsey Adams, der einen Bauernhof auf der Kanalinsel Guernsey besitzt. Ihre Adresse hat er aus einem Buch von Charles Lamb, das er während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg erstanden hat. Zwischen den beiden beginnt ein reger Briefwechsel, aus dem Juliet vom „Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ erfährt. Neugierig geworden, was diese beiden Dinge miteinander zu tun haben, beschließt sie, auf die Kanalinsel zu reisen und die Mitglieder des Clubs kennenzulernen. Dort stößt sie auf die Geschichte von Elizabeth McKenna, der Gründerin des Literaturclubs, die seit ihrer Festnahme durch die Deutschen verschwunden ist.

Der Schrecken des Krieges

Zwischen dem 30. Juni und dem 3. Juli 1940 landete die deutsche Luftwaffe auf den Kanalinseln, nahm sie ohne Gegenwehr ein und machte zu einem Baustein des gut gesicherten Nordatlantikwalls. Was folgte waren fünf lange Jahre der Besetzung, in denen die Inselbevölkerung an Hunger litt, hilflos mit ansehen musste, wie Zwangsarbeiter Festungsbunker bauten, und nicht wusste, wie es den rechtzeitig evakuierten Kindern auf dem britischen Festland ging. Telefonverbindungen waren gekappt worden, Radio und Zeitungen verboten. Von all dem berichtet der Briefroman Deine Juliet. Allerdings geht es dabei nicht nur um die Schrecken des Krieges, sondern vielmehr darum, wie sich die Menschen in typisch britischer Manier zu helfen wussten. Ein Mittel gegen die Restriktionen der deutschen Besatzer war das Lesen, das den Mitgliedern der Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society über die schwere Zeit hinweggeholfen und sie zusammengeschweißt hat.

Deine Juliet punktet mit britischem Humor

Die Story von Deine Juliet ist durchaus packend und hält sogar einiges an Spannung bereit, denn fast bis zum Schluss wissen weder die Mitglieder des Clubs noch Juliet oder der Leser, was mit Elizabeth McKenna passiert ist. Deren kleine Tochter wächst mitten zwischen den völlig verschiedenen und teils schrulligen Persönlichkeiten des Buchclubs auf, jede ist auf ihre Weise sympathisch. Die gegenseitige Hilfe und die Hoffnung stehen im Vordergrund und auch ein Jahr nach Ende des Krieges fühlen sich die Personen eng verbunden. Juliet trifft auf Inselbewohner, die einiges einstecken und zahlreiche Entbehrungen hinnehmen mussten. Die Liebe zu den Büchern konnte ihnen aber keiner nehmen.

Erzählt wird die gesamte Geschichte ausschließlich in Briefen, die im ersten Teil zwischen Juliet und den Mitgliedern des Buchclubs ausgetauscht werden. Im zweiten Teil ist Juliet selbst auf der Insel und berichtet ihrem Freund und Verleger Sidney sowie einer engen Freundin von ihren Erlebnissen. Der Roman, der in der originalen Rowohlt-Ausgabe nur knapp 300 Seiten hat, ist sicher kein klassisches, literarisches Meisterwerk. Aber er ist gut geschrieben, spiegelt sprachlich die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wider und strotzt nur so vor trockenem britischen Humor.

Fazit: Deine Juliet

Wer Lust auf einen kurzweiligen und doch in gewisser Weise tiefgründigen Roman hat, sollte Deine Juliet auf jeden Fall lesen. Das Buch ist sicher nicht für jeden etwas, das typisch Britische sollte man schon mögen. Eine gute Prise Romantik kommt natürlich auch vor, aber bei Weitem nicht so plump und schnulzig, wie man es vielleicht erwarten würde – für mich jedenfalls nicht too much. Schon allein aufgrund der Handlung und Hintergründe wird dem Leser die Situation der Insulaner während der deutschen Besatzung nähergebracht. Das fand ich sehr spannend, gerade weil ich mich mit der damaligen Rolle der Kanalinseln noch nie auseinandergesetzt habe.

Deine Juliet birgt zusammenfassend eine solide Story, ein bisschen Wissensvermittlung, Inselflair, viel Literatur, britischen Humor und einige charmante Charakterköpfe.

Deine Juliet

Autor: Mary Ann Shaffer
Kategorie*n: Historischer Roman | Roman
ISBN: 978-3-442-71775-0
Verlag: btb
Seiten: 448
Copyright: btb Verlag
Affiliate-Link zur kostenfreien Unterstützung dieses Blogs.