Margaret Atwood: Der Report der Magd

„Nolite Te Bastardes Carborundorum, Bitches!“*
Der Report der Magd Margaret Atwood

Der Report der Magd von Margaret Atwood erschien bereits 1985 und ist mittlerweile zu Recht ein Klassiker der Literaturgeschichte. Sie beschreibt dem Leser eine Dystopie, die sich in einem fiktionalen Staat, der Republik Gilead, abspielt. Sie existiert auf einer patriarchalisch ausgelegten Deutung der Bibel.
Darum geht’s:
Die Ich-Erzählerin, von der nicht klar ist, wie sie wirklich heißt, ist Dienstmagd im Haus eines Kommandanten. Entsprechend des Vornamens ihres Herren heißt sie nun „Desfred“. Sie gehört zu den wenigen Frauen, die trotz nuklearer, chemischer und bakteriologischer Umweltverschmutzung fruchtbar sind. Die Mägde – für jeden sofort an der durch und durch roten Tracht erkennbar – sollen stellvertretend für die unfruchtbaren Frauen der Kommandanten, die als Männer die höchsten Stellungen im Staat bekleiden, Kinder bekommen. Ihr Leben ist stark eingeschränkt und von religiösen Restriktionen begleitet, die durch die sogenannten „Tanten“ sichergestellt werden. Ihre einzige Funktion ist es, Kinder zu bekommen und zu gehorchen.

„Wir sind zweibeinige Schöße, mehr nicht: heilige Gefäße, wandelnde Kelche.“

Der Report der Magd sorgt für Gänsehaut

Puh, welch düstere Vorstellung! Auch wenn heute immer noch keine Rede von Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sein kann, ist Atwoods Szenario doch sehr bedrückend und nicht zuletzt beunruhigend. Fertilität entscheidet darüber, welche Stellung eine Frau in Gilead hat, ob sie Magd, eine Martha, Ehefrau oder eine sogenannte Unfrau ist. Individualität spielt keine Rolle mehr – die Farbe allein entscheidet: Mägde in rot, Kommandantenfrauen in blau, Marthas in graugrün und Tanten in brauner Tracht. Darüber hinaus gibt es Ökonofrauen in gestreifter Kleidung, sie sind durchschnittliche Ehefrauen, denen keine Magd zusteht. Allen Frauen ist das Schreiben, Lesen und generell Ungehorsam untersagt und wird mit teilweise martialischen Strafen geahndet.

In Anbetracht der Tatsache, dass viele Länder in Europa gerade wieder einen Rechtsruck vollziehen, Parteien an die Macht kommen, die neben ihrer Ablehnung von Ausländern auch stark frauenfeindliche Ansichten vertreten, kann einem schon mulmig zumute werden beim Lesen.

Erlebnis der persönlichen Geschichte

An den Schreibstil musste ich mich zuerst etwas gewöhnen, allerdings hat man so tatsächlich den Eindruck, dass einem ein Report vorliegt. Die Sprache deckt die gesamte Bandbreite von derben, teils vulgären Ausdrücken bis hin zu philosophischen Überlegungen ab. Der Leser bekommt einen schonungslosen Einblick in das Seelenleben der Magd, die hier von ihrem Leben berichtet. Sie schwankt zwischen Ablehnung, Angst, Akzeptanz, Gleichgültigkeit und Hoffnung hin und her, was völlig nachvollziehbare Reaktionen anhand der Umstände sind. Auf Gedeih und Verderb einem System ausgeliefert zu sein, kann einen schon fertig machen 😉

„Doch wenn ich mich weigerte, könnte es noch schlimmer kommen. Es gibt keinen Zweifel darüber, wer die Macht hat.“

Fazit: Der Report der Magd“

Der Report der Magd ist ein Klassiker, ohne Zweifel. Ein Klassiker, den man unbedingt gelesen haben sollte. Der einen daran erinnert, wie wichtig Diversität ist, und wie wichtig es ist, neuen radikalen Kräften nicht das Feld zu überlassen. Über dreißig Jahre alt und doch hochaktuell – ich ziehe meinen Hut und kann das Buch ohne Einschränkungen weiterempfehlen!
 
*Das Zitat stammt aus der Serie „The Handmaid’s Tale“ mit Elisabeth Moss in der Hauptrolle als June/Desfred. Übersetzt heißt es „Don’t let the bastards grind you down”. In der deutschen Version des Buches lautet das Zitat Hirundo maleficis evoltat und bedeutet so viel wie „Die Schwalbe entflieht den Bösewichtern“. Ähnliche Aussage, aber leider nicht ganz so leidenschaftlich.

Der Report der Magd

Autor: Margaret Atwood
Kategorie*n: Roman
ISBN: 978-3-492-31116-8
Verlag: Piper
Seiten: 416
Copyright: Piper Verlag
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