Melanie Metzenthin: Die verstummte Liebe

Die Vorgeschichte zu „Im Lautlosen und „Die Stimmlosen“
Die verstummte Liebe Melanie Metzenthin Tinte und Feder Die Stimmlosen Im Lautlosen

Die verstummte Liebe von Melanie Metzenthin gehört zusammen mit „Im Lautlosen“ und „Die Stimmlosen“ zur „Leise-Helden-Reihe“. Das Buch lässt sich sowohl als erster oder als dritter Band gut lesen. So oder so werden die Leser*innen Personen entweder in diesem oder in den folgenden Büchern wiedererkennen.

Die verstummte Liebe – Darum geht’s:

England 1896: Die Bankierstochter Helen Mandeville soll standesgemäß heiraten, der Anwalt James Mitchell scheint die beste Partie zu sein. Auf einer Bildungsreise durch Europa lernt sie in Berlin den Arzt Ludwig Ellerweg kennen und verliebt sich Hals über Kopf. Zurück in England löst sie die Verlobung, bricht mit ihrer Familie und reist heimlich nach Hamburg, um den deutschen Arzt zu heiraten. Für beide ist es die große Liebe und ihr Sohn Fritz macht das Glück komplett. Doch 1914 erkrankt Helens Mutter schwer und sie reist zurück nach England. Nicht ahnend, dass der Erste Weltkrieg kurz vor dem Ausbruch steht. Sie trifft Entscheidungen, die ihr Leben für immer verändern werden.

Vorgeschichte oder Erklärung

Je nach dem, ob man diesen Roman zuerst liest oder im Anschluss an „Die Stimmlosen“, erhält man entweder eine Vorgeschichte oder aber den Versuch einer Erklärung zu einer höchst widersprüchlichen Figur in dieser Roman-Trilogie. Helen Mandeville ist die Mutter des Chirurgen Fritz Ellerweg, der als erwachsener Mann in den anderen beiden Romanen eine wichtige Rolle spielt. Während die Geschichte in „Die Stimmlosen“ aus Sicht von Fritz erzählt wird, stehen in „Die verstummte Liebe“ der Werdegang und die Gefühle von Helen im Mittelpunkt. Aus ihrer Sicht wird der Roman erzählt und liefert doch noch einmal eine andere Version der Ereignisse vor und während des Ersten Weltkrieges sowie in den Zwischenkriegsjahren.

Der Wandel eines Charakters

Stehen in den anderen beiden Roman auch die zeitgeschichtlichen Ereignisse im Vordergrund, ist „Die verstummte Liebe“ viel mehr eine Charakterstudie. Die Geschichte von Helen Mandeville alias Helen Ellerweg ist natürlich ebenfalls unmittelbar durch die zeithistorischen Ereignisse betroffen, doch es geht eher darum, was das mit der Figur macht. Ist Helen in ihren Jugendjahren und vor dem Ersten Weltkrieg eine eigenwillige, fortschrittliche und selbstbewusste Frau, so ändert sich das radikal ab den Geschehnissen nach 1914.

Ich möchte nicht zu viel verraten, doch ihr Charakter entwickelt sich nicht unbedingt zum Guten. Sicher, depressive Verstimmungen tun ihr Eigenes, doch so manche Entscheidung der Figur ist für mich nicht nachvollziehbar. Eine Frau, die liebt, in Deutschland ihr ganzes Glück hat, stellt plötzlich Leidenschaft über alles und fügt sich dann scheinbar völlig willenlos und später gebrochen in ihr Schicksal. Aus einer anfangs sympathischen Figur wird nach und nach eine verbitterte alte Frau, die man einfach nicht mehr mögen möchte.

Fazit: Die verstummte Liebe

So richtig glücklich hat mich der Roman nicht gemacht. Mir wurde Helen zunehmend unsympathisch und dass, obwohl ich sie bereits in „Die Stimmlosen“ kennengelernt hatte und wusste, was mich erwartet. Eine solche Wandlung und ein selbstverliebtes, rückratlosen Agieren waren für mich letztlich unglaubwürdig. Was mir zu Beginn des Romans zu viel des Schnulzigen war, hat mir gegen Ende gefehlt. Es war unterkühlt, lieb- und freudlos. Alles in allem kann man sagen, der Autorin ist diese Charakterstudie damit durchaus gut gelungen – ob sie dem Buch zuträglich ist, weiß ich leider nicht.

Positiv hervorzuheben ist der wirklich flüssige Schreibstil von Melanie Metzenthin. Auch wenn mich in diesem Fall einige Wiederholungen von gleichen Wörtern – zum Teil innerhalb nur eines Absatzes – etwas gestört haben. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen, dass mir von allen drei Büchern „Im Lautlosen“ am besten gefallen hat und dieses Buch hier leider am wenigsten.

Hier geht es zu den Rezensionen der anderen beiden Bücher der „Leise-Helden-Trilogie“:
Rezension „Im Lautlosen“
Rezension „Die Stimmlosen“

Die verstummte Liebe

Autor*in: Melanie Metzenthin
Kategorie*n: Historischer Roman
ISBN: 978-2496703924
Verlag: Tinte & Feder
Seiten: 461
Copyright: Tinte & Feder

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