Bernhard Aichner: Dunkelkammer

Der erste Fall für Pressefotograf David Bronski
Bernhard Aichner Dunkelkammer David Bronski Innsbruck Berlin Pressefotograf

Dunkelkammer ist der Auftakt zu einer neuen Reihe des österreichischen Krimiautors Bernhard Aichner. Diesmal steht David Bronski, seines Zeichens Pressefotograf, im Mittelpunkt. Sein erster Fall ist gleichzeitig ein überaus persönlicher Trip in die Vergangenheit.

Dunkelkammer – Darum geht’s:

David Bronski erhält den Anruf eines ehemaligen Kollegen, mittlerweile obdachlos, der in einer vermeintlich verlassenen Wohnung in Innsbruck eine Leiche findet. Sie liegt dort seit 20 Jahren, mumifiziert und unentdeckt. Ein gefundenes Motiv für Bronski, der einer geheimen Leidenschaft nachgeht: Er macht künstlerisch wertvoll Porträts von toten Menschen. Gemeinsam mit Reporterin Svenja Spielmann reist er in seine alte Heimat, um exklusiv vom Tatort zu berichten. Recht schnell wird jedoch klar, dass die Geschichte der Toten auch etwas mit ihm persönlich zu tun hat.

Spannender Einstieg

Der Krimi beginnt auf einem sehr hohen Spannungslevel, ohne Vorgeplänkel ist man als Leser direkt drin. Man weiß, es kann nicht gut ausgehen, als der Obdachlose in die Wohnung einbricht, um im Warmen zu übernachten. Der Fund der 20 Jahre alten Leiche ist spektakulär, in meinem Kopf hatte ich ein deutliches Bild. Bronski, der mittlerweile in Berlin lebt, rast in die alte Heimat Tirol, an seiner Seite hat er eher widerwillig die Reporterin Svenja. Dass Bronski in der Wohnung der Toten ein Foto seiner Tochter findet, die vor ebenfalls 20 Jahren verschwand, steigert die Spannung weiter. Was hat der Fall mit ihm zu tun? Das alles war sehr vielversprechend, doch leider verpuffte dieser Eindruck recht schnell.

Irreführender Titel

Die Story entwickelte sich anders als ich dachte. Das ist an sich nicht schlimm, doch so richtig überzeugt hat sie mich leider nicht. Man erfährt nach und nach etwas über Bronskis Vergangenheit, die Beziehung zu seiner Frau Mona und der verschwundenen Tochter Judith. Es gibt einige Rückblenden und verschiedene Erzählperspektiven, je nach Figur in der dritten Person oder als Ich-Erzähler. Für mich ist dennoch der Titel „Dunkelkammer“ etwas irreführend. Denn wirklich viel Zeit verbringt Bronski dort nicht. Der Leser erhält zwar einen Einblick in sein zugegeben recht zweifelhaftes Hobby, aber ich hatte mir doch etwas mehr darunter vorgestellt. Etwas mehr Action und Tatortfotografie, um es auf den Punkt zu bringen. Stattdessen jagen Bronski und Svenja unausgegorenen Hinweisen hinterher, irgendwo zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit.

Umsetzung – leider nicht meins

Bücher bzw. deren Wahrnehmung ist ein hochgradig subjektives Konstrukt. Das hat mir dieser Krimi wieder einmal deutlich gezeigt. Denn nach einem meiner Meinung nach sehr gutem und spannendem Einstieg, folgte die Ernüchterung. Die Ermittlungen zogen sich in die Länge, ohne wirklich etwas zu ergeben, Mitte und Ende waren fast schon langweilig. Eventuell liegt das aber auch an der Art der Kapitel und Dialoge. Letztere sind lediglich als Spiegelstriche geschrieben – ähnlich wie in einem Drehbuch. Das heißt, alle Füllwörter und Beschreibung von Emotionen oder Handlungen während des Gesprächs entfallen. Dass man diese Umsetzung wohl entweder liebt oder aber gar nicht mag, hatte ich bereits im Vorfeld gelesen. Ich denke, ich gehöre zur zweiten Gruppe. Mir haben insgesamt die Emotionen gefehlt, ich fand es doch recht kühl – trotz emotionaler Themen wie Selbstmord und Kindesentführung.

Fazit: Dunkelkammer

Insgesamt fand ich Dunkelkammer zwar nicht schlecht, aber gänzlich überzeugen konnte mich das Buch leider nicht. Dafür haben mir doch einige Punkte gefehlt, unter anderem die angesprochenen Emotionen. Außerdem waren mir weder Bronski noch Svenja wirklich sympathisch, was die Identifikation mit den Figuren doch erschwerte. Vielleicht gebe ich Band 2, der im Juli 2021 erscheint, noch eine Chance, doch Band 1 hinterlässt gemischte Gefühle.

Dunkelkammer

Autor*in: Bernhard Aichner
Kategorie*n: Kriminalroman
ISBN: 978-3-442-75784-8
Verlag: btb
Seiten: 352
Copyright: btb Verlag

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