Elina Penner: Nachtbeeren

Eine Frau zwischen zwei Ländern, Religion und Familie
Elina Penner Nachtbeeren Aufbau Verlag Russlanddeutsche Mennoniten Plautdietsch

Nachtbeeren ist Elina Penners Debütroman, der von Nelli erzählt, deren mennonitische Familie als Russlanddeutsche nach Minden übersiedeln. Die Autorin selbst ist ebenfalls in der ehemaligen Sowjetunion geboren und Anfang der 1990er Jahre nach Deutschland gekommen.

Nachtbeeren – Darum geht’s:

Als kleines Mädchen kam Nelli als Russlanddeutsche mit ihrer mennonitischen Familie nach Minden. Ihre Muttersprache ist Plautdietsch, das innerhalb der Familie auch Jahre später immer noch gesprochen. Sie ist verheiratet, Mutter eines Sohnes und versucht, in einem typisch deutschen Leben anzukommen. Der Tod ihrer geliebten „Öma“ wirft Nelli jedoch aus der Bahn, sie sucht Zuflucht in der mennonitischen Gemeinde. Zwischen Familie, Glauben, Verlust und der Suche nach der eigenen Identität gerät sie zunehmend ins Straucheln – und eventuell hat sie versehentlich ihren Mann umgebracht…

Einblick in eine andere Welt

Elina Penner „wirft“ die Leserinnen mitten hinein in die Geschichte: Ein typischer Sonntagnachmittag, den Nelli und ihre vier Brüder bei den Großeltern mit Essen verbringen. Nelli beobachtet und gibt ihre Eindrücke in der Ich-Perspektive wieder. Kapitel um Kapitel steigt man so tiefer ein in eine Welt, die mir persönlich völlig fremd ist. Das Leben als Russlanddeutsche und Teil der mennonitischen Glaubensgemeinschaft – schnell spürt man, dass Nelli im Zentrum eines Lebens steht, von dem sie nicht weiß, ob es wirklich für sie gemacht ist.

Die Eindrücke fand ich sehr interessant und spannend. Sowohl die Herkunft als auch der Glaube gibt den Familien Zusammenhalt, andererseits schotten sie sich in gewisser Weise damit ab. Die Identitätssuche gestaltet sich schwierig – man ist weder „richtig“ deutsch noch russisch, sondern irgendwo dazwischen.

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Düster und tragikomisch

Das Buch schickt einen beim Lesen in ein Wechselbad der Gefühle. Ich habe öfter herzlich gelacht – viele Szenen schildert die Autorin mit einem absolut trockenen Humor. Manche Szenen waren dagegen herzzerreißend und wirklich traurig. Im Mittel erzählt der Roman eine tragikomische Geschichte mit teils überspitzten Momenten und dann wieder absolut nüchtern-realistisch. Letztlich spiegelt auch das die innere Zerrissenheit von Nelli wider, die zwischen Zufriedenheit und Unglücklichsein schwankt.

Perspektivwechsel sorgen für Klarheit

Die meisten Kapitel werden aus Nellis Sicht erzählt, doch irgendwann tauchen dabei Ungereimtheiten auf. Sie spring zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Einbildung oder vielleicht auch Wunschdenken. Klarheit bringen Perspektivwechsel: So werden einige Kapitel von Jakob, Nellis Sohn, erzählt, der eines Morgens eine schreckliche Entdeckung in der Kühltruhe macht. Außerdem kommt Eugen, Nellis Lieblingsbruder, zu Wort, der sich um Nelli sorgt und sich um das Debakel rund um den Fund in der Kühltruhe, annimmt.

Fazit: Nachtbeeren

Insgesamt habe ich Elina Penner Debütroman sehr gern gelesen. Die Einblicke in das Leben von Nelli und ihrer Familie waren interessant, die plautdietschen Ausdrücke absolut passend. Mich haben die zeitlichen Wechsel in der Erzählung etwas irritiert, später wird jedoch klar, warum hier die Grenzen ein wenig verschwimmen. Ich gebe gerne eine Leseempfehlung, auch wenn ich mir insgesamt noch ein kleines bisschen mehr von diesem Roman erwartet hatte.

Nachtbeeren

Autor*in: Elina Penner
Kategorie*n: Roman
ISBN: 978-3-351-03936-3
Verlag: Aufbau
Seiten: 248
Copyright: Aufbau

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