Greta Henning: Halligmord

Der erste Fall für Minke van Hoorn
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Halligmord entführt den Leser an die stürmische Küste Nordfrieslands, genauer in die eigentümlich-ursprüngliche Welt der Halligen. Greta Henning, die unter einem Pseudonym schreibt, nutzt diese Kulisse für den ersten Fall von Minke van Hoorn.

Halligmord – Darum geht’s:

Gleich an ihrem ersten Arbeitstag als frischgebackene Kommissarin in Jüstering bekommt Minke van Hoorn einen kniffligen Fall: Auf der Hallig Nekpen hat die See ein Skelett freigespült, das über 30 Jahre im Marschboden vergraben lag. Doch wer ist der Tote? Die beiden einzigen Familien, die auf der kleinen Hallig wohnen, geben vor, nichts über den Toten in der Erde zu wissen. Und doch kommt Minke ihr Verhalten merkwürdig vor. Als der Sohn des alten Deichgrafen entführt wird, scheinen alte Geschehnisse ihre Schatten in die Gegenwart zu werfen…

Krimikonstrukt à la Agatha Christie

Ein Toter und ein Raum voller Verdächtiger. So könnte man die Situation für Minke van Hoorn in „Halligmord“ zusammenfassen. Keine der Personen, die in Frage kämen, will es gewesen sein, wasserdichte Alibis scheinen das zu bestätigen. Doch irgendetwas ist faul…
Die Konstruktion des Krimis ist durchaus vertraut, doch das Setting auf der einsamen Hallig hat doch etwas Besonderes. Im wahrsten Sinne des Wortes vergrabene Ereignisse sowie der zusätzliche Entführungsfall und ein herannahender Sturm machen den Krimi zu einem netten Lesevergnügen, dass jedoch insgesamt hätte spannender sein können.

Kommissarin statt Meeresbiologin

Während des Lesens erhält man durchaus einen umfassenden Eindruck der handelnden Personen, allen voran Minke van Hoorn. Selbst auf einer Hallig aufgewachsen tritt die junge Frau, die ursprünglich Meeresbiologin war, in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters, der ebenfalls Kommissar war. Ihr Bruder Bo ist Gerichtsmediziner und hilft ihr bei dem ersten Fall. Greta Hennings Figuren sind allesamt recht detailliert beschrieben, auch wenn mir hier und da zu viele Klischees bedient worden, um Unterschiede zu schaffen.

Nette Urlaubslektüre

Das Buch wechselt von der Gegenwart und den Ermittlungen Minkes immer wieder zu Passagen aus der Vergangenheit. So wird die letztlich entscheidende Nacht aus Sicht der daran beteiligten Personen nach und nach für den Leser rekonstruiert. Irgendwann ist die Lösung abzusehen, doch die Auflösung am Ende durch Minke van Hoorn ist gut gelungen. Sie erinnert mich allerdings doch zu sehr an die typischen Szenen bei Agatha Christie.

Fazit: Halligmord

Greta Hennings Nordseekrimi ist unterhaltsam und meiner Meinung nach eine nette Urlaubslektüre, der es allerdings an Spannung fehlt. Ein kurzweiliges, flüssig zu lesendes Vergnügen, das ich jedem empfehlen kann, der keinen blutrünstigen oder düsteren Krimi braucht. Das Buch regt dazu an, sich etwas näher mit dem Leben auf den Halligen zu beschäftigen, auch wenn „Nekpen“ und „Midsand“ in Wirklichkeit nicht existieren.
Eine kleine kritische Anmerkung habe ich jedoch bzgl. des Lektorats: Wenn eine Figur behauptet, ihre Tochter sei übers Wochenende an die Ostsee gefahren, und dieselbe Person zwei Seiten später angibt, ihre Tochter sei auf Sylt, dann ist das schon ein grober inhaltlicher Fehler, der mir persönlich negativ beim Lesen aufgefallen ist. Hinsichtlich Grammatik und Rechtschreibung wurde dagegen sehr gute Arbeit geleistet.
Weiterer Pluspunkt: Im hinteren Umschlag gibt es das Rezept für „Knerken“, ein Mürbeteiggebäck. Diese sind auch auf dem Bild oben zu sehen und schmecken wirklich lecker!

Halligmord

Autor: Greta Henning
Kategorie*n: Kriminalroman
ISBN: 9783864931307
Verlag: Ullstein
Seiten: 272
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