Hjorth & Rosenfeldt: Die Früchte, die man erntet

Lang ersehnte Fortsetzung der Sebastian-Bergman-Reihe
Die Früchte die man erntet Hjorth Rosenfeldt Sebastian Bergman

Die Früchte, die man erntet – lange mussten Fans der Reihe um den eigentümlichen Kriminalpsychologen Sebastian Bergman auf den neuen Band warten. Mit dem Ergebnis sorgen Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt für gemischte Gefühle bei Leser*innen.

Die Früchte, die man erntet – Darum geht’s:

Innerhalb weniger Tage ermordet ein Heckenschütze mehrere Menschen in Karlshamn. Die hinzugezogene Reichsmordkommission, der mittlerweile Vanja als Leiterin vorsteht, tappt im Dunkeln. Zwischen den Opfern gibt es keine Verbindungen, alle scheinen zufällig ausgewählt. Als Vanja ihren Vater, Kriminalpsychologe Sebastian Bergman um Hilfe bittet, ist das eine willkommene Abwechslung. Er ist aus dem Team ausgestiegen und arbeitet wieder mit Patienten. Als ein Australier zu ihm kommt, holt Sebastian seine Vergangenheit ein, die er gerade überwunden geglaubt hatte. Und noch einer hat Probleme: Billy, Sebastians ehemaliger Teamkollege, wird ebenfalls von vergangenen Geschehnissen überrollt.

Schwacher erster Teil

Nach dem Cliffhanger im letzten Band war ich sehr gespannt auf „Die Früchte, die man erntet“ und habe mich auf Bergman und Co. gefreut. Wahrscheinlich war genau das der Fehler, denn schon nach den ersten 100 Seiten folgte große Ernüchterung, um nicht Enttäuschung zu sagen. Der Fall um den Heckenschützen ist unheimlich langatmig und leider überhaupt nicht spannend – die Leser*innen wissen ziemlich bald, wer hier sein Unwesen treibt. Fast 2/3 des Buches beschäftigt sich damit, wie die in diesem Fall völlig ratlose Mordkommission dem Täter hinterherhinkt. Die Leser*innen „schauen“ zu – in meinem Fall leider völlig gelangweilt.

Billys Geschichte…

… hat sich in den Vorgängerbänden, vor allem im letzten, angekündigt und wird hier nun wieder aufgegriffen. Allerdings erst, als der „Hauptfall“ erledigt ist. Diese letzten 200 Seiten sind die spannenden in diesem Buch – rasant und sich überschlagend, wie man es normalerweise vom Autorenduo gewohnt ist. Trotzdem wurde dem ganzen zu wenig Zeit und Platz eingeräumt – ein Hinweis folgt dem nächsten, die Aufklärung geht dann beinahe zu leicht und zu schnell. Cliffhanger gibt es selbstverständlich auch in diesem Band, genau genommen zwei. Einer davon hat sich für mich schon angebahnt und kam daher wenig überraschend. Der andere ist wohl der Vorbote einer alten Story, die im nächsten Band vermutlich erneut aufgerollt wird.

Bergman und die Vergangenheit

Ein Aspekt, der mich in diesem Buch am meisten gestört hat, war der vollkommen fehlende Teamgeist. Torkel ist raus, Vanja die neue Leiterin, dazu ein neues Teammitglied, das man kaum kennenlernt. Ursula und Billy? Sie sind da, aber vorerst sehr hintergründig… Sebastian Bergman ist ebenfalls kein Teil des Teams mehr und darf nur mal in die Akten schnuppern. Dafür nimmt sein Trauma, das vom Tsunami 2004 in Thailand herrührt, unglaublich viel Raum ein. Ständige Wiederholungen von Träumen und das Nachdenken darüber machen das Lesen sehr mühsam. Dass der Australier auftaucht und in alten Wunden rührt, ist dabei nicht unbedingt hilfreich. Es scheint das Jahr der weichgespülten Psychologen zu sein – erst Maarten S. Sneijder und nun Sebastian Bergman…

Fazit: Die Früchte, die man erntet

Vielleicht kann man es aus den obigen Worten lesen: Ich bin schwer enttäuscht vom siebten Band der Reihe. Ich habe das Gefühl, dass hier absolut die Luft raus ist, da die Geschichte nur wenig von dem hat, was für mich die Reihe bisher ausmachte. Mal abgesehen vom Schreibstil, der wie immer hervorragend ist, hat mich beinahe alles an diesem Buch gelangweilt oder richtiggehend genervt. „Die Früchte, die man erntet“ ist im Vergleich bestenfalls Mittelmaß und macht für mich leider wenig Lust auf den nächsten Band. ☹ Wirklich unglaublich schade!

Die Früchte, die man erntet

Autor*in: Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt
Kategorie*n: Kriminalroman
ISBN: 978-3-8052-5089-4
Verlag: Wunderlich
Seiten: 512

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