Jenny Lecoat: Die Übersetzerin

Ein Roman basierend auf historischen Begebenheiten
Jenny Lecoat Die Übersetzerin Bastei Lübbe Jersey Kanalinseln

Die Übersetzerin ist ein historischer Roman von Jenny Lecoat. Die Autorin wurde 15 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf der Kanalinsel Jersey geboren. Eben dort spielt sich die auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte der jungen Jüdin Hedy Becu ab. Jenny Lecoat hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ereignisse fiktionalisiert wiederzugeben und damit ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.

Die Übersetzerin – Darum geht’s:

Jersey 1940: Hedy Becu ist Jüdin und hat es über Umwege aus Österreich auf die zu Großbritannien gehörende Kanalinsel vor die französische Küste geschafft. Kurz darauf sitzt sie wieder in der Falle, denn die Inseln werden von Nazi-Deutschland besetzt. Das Leben für die Insulaner ist hart unter der deutschen Besetzung, doch als im Lager eine Übersetzerin gesucht wird, sieht Hedy ihre letzte Chance. Sie versucht alles, um unentdeckt zu bleiben, fühlt sich jedoch ausgerechnet zu einem deutschen Soldaten hingezogen. Als Hedy auffliegt, müssen sie und Kurt nicht nur um ihre Liebe, sondern auch ihr Leben fürchten. Ein tollkühner Plan soll Abhilfe schaffen…

Historischer Liebesroman

Jenny Lecoat erzählt Hedys Geschichte über eine Zeitspanne von insgesamt sechs Jahren – beginnend im Sommer 1940 bis zum Epilog 1946. Hedy ist erst Anfang 20 und nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich auf die Kanalinseln geflüchtet. Doch auch hier ist sie fremd – ihr Englisch hat einen Dialekt. Ihr einziger Freund ist Anton, der auch davon weiß, dass sie Jüdin ist. Hedy vertraut niemandem, was umso wichtiger wird, als die Deutschen die Inseln besetzen. Dass ausgerechnet einer von ihnen, Kurt, ihr Seelenverwandter ist, kann sie anfangs nicht fassen. Doch die Liebe der beiden ist echt und entwickelt sich über die Jahre weiter.

Mit einigen größeren Sprüngen, jedoch ohne dabei den Faden zu verlieren, begleiten die Leser*innen Hedy und Kurt durch die schwierige Zeit. Abwechselnd wird aus den beiden Perspektiven erzählt, sodass auch das jeweilige Umfeld näher beleuchtet wird. Sie dürfen ihre Beziehung nicht ausleben und immer wieder gibt es doch Geheimnisse und schließlich brenzlige Situationen. Doch durch Zusammenhalt und mit der Hilfe einer Freundin meistern sie die Herausforderungen. Eine Geschichte fast zu schön, um wahr zu sein. Wie die Autorin selbst schreibt, basiert sie auf wahren Begebenheiten, doch sie wurde fiktionalisiert und Namen wurden geändert. Es ist ein Liebesroman vor historischer Kulisse, der für mich immer wieder haarscharf an kitschig vorbeischrammt.

Die Rolle der Kanalinseln im 2. WK

Noch spannender als die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten war für mich tatsächlich die Rolle, die die Kanalinseln während des Zweiten Weltkrieges gespielt haben. Als einer der äußersten Posten der von Nazi-Deutschland besetzten Gebiete wurden hier Befestigungsanlagen gegen die Briten gebaut. Die Bevölkerung der Inseln saß in der Falle und hatten kaum eine Wahl, als zu kooperieren. Telegrafen- und Telefonleitungen wurden gekappt, Radios konfisziert und die Post eingestellt. Damit gab es für die britischen Staatsbürger keine Möglichkeit mehr, mit dem Festland zu kommunizieren. Lebensmittel waren streng rationiert, es gab strenge Ausgangssperren und harte Strafen bei Missachtung.

Durch das Setting und die Beschreibungen wird Vieles davon auch im Buch sehr deutlich und greifbar. Nicht nur Hedys Leben ist aufgrund der Besatzung stark eingeschränkt – es gibt kaum Feuerholz oder genug zu essen, geschweige denn neue Kleidung oder andere Annehmlichkeiten. Wie Lecoat schreibt, ist selbst den Briten bis heute kaum bewusst, wie das Leben der Inselbewohner während des Zweiten Weltkrieges war. Ihre Mission, mit diesem Buch mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, ist der Autorin meiner Meinung nach gelungen.

Fazit: Die Übersetzerin

Für mich war „Die Übersetzerin“ eine durchaus interessante und auch emotionale historische Lektüre. Die Liebesgeschichte zwischen Hedy und Kurt war mir an manchen Stellen etwas zu romantisiert und hart an der Grenze zum Kitschigen. Hätte ich nicht gewusst, dass hier wahre Begebenheiten zugrunde liegen, wäre mir das hier und da wirklich zu viel gewesen. So kann ich durchaus darüber hinwegsehen, außerdem „reißt“ es der historische Kontext für mich wieder heraus. Die Beschreibung des Insellebens sind der Autorin wirklich gut gelungen und haben mich doch so manches Mal schlucken lassen. Alles in allem doch ein sehr guter historischer Roman, für den ich gern eine Leseempfehlung aussprechen möchte.
 
Noch nicht ganz überzeugt? Dann habe ich hier noch den Buchtrailer für dich:

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Schon gewusst?

Falls dich das Thema interessiert, dann habe ich hier einen weiteren Buchtipp für dich. Ebenfalls auf den Kanalsinseln, jedoch auf Guernsey, spielt „Deine Juliet“, ein Briefroman von Mary Ann Shaffer. Hier geht’s zur Rezension!

Die Übersetzerin

Autor*in: Jenny Lecoat
Kategorie*n: Historischer Roman
ISBN: 978-3-7857-2756-0
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 320
Copyright: Lübbe

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