Paula Irmschler: Superbusen

Entwicklungsroman mit Nostalgiemomenten
Paula Imschler Superbusen Chemnitz Ullstein Buchverlage

Superbusen – ist schon mal ein Titel, an dem man schnell hängen bleibt ? Noch dazu in türkiser Schrift auf schwarzem Cover! Dazu Paula Irmschlers Protagonistin „Gisela“ und deren Geschichte, die leicht und locker daherkommt und doch viel tiefgründiger ist, als es scheint…

Superbusen – Darum geht’s:

Gisela – deren richtiger Name nicht verraten wird – studiert in Chemnitz. Nach einem halben Jahr Auszeit in Berlin kehrt sie in die ostdeutsche Stadt zurück. Dort versucht sie anzuknüpfen, wo sie einige Monate zuvor alles abgebrochen hat. Während dieser Rahmenhandlung begleiten sie die Leser*innen bei ihren Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in Dresden, den Wegzug nach Chemnitz, den Beginn des Studiums und natürlich die Gründung der Band „Superbusen“.

Zwei Erzählebenen miteinander verknüpft

Gisela – was übrigens auch der Name eines Mixgetränks ist – berichtet als Ich-Erzählerin einmal im Präsens, das ist die Rahmenhandlung: Ihre Rückkehr nach Chemnitz – und schon die Anreise mit dem Zug ist ein Highlight. Ihre Erinnerungen an Kindheit, Jugend, Studium und die Gründung der Band Superbusen sind im Präteritum geschrieben. Das geht manchmal etwas wild durcheinander, aber man findet sich zurecht als Leser*in. Über allem, aber insbesondere über den Jugenderinnerungen, schwebt eine schöne Nostalgie. Als jemand, der nur ein Jahr älter als die Autorin ist, und ebenfalls eine klassische ostdeutsche Jugend verlebt hat, habe ich mich wirklich wohlgefühlt mit dem Buch. Ich habe Tränen vergossen – sowohl vor Lachen, weil so viel Wahrheit in den Texten steckt, als auch vor lauter Sentimentalität.

Die Band „Superbusen“

Etwa in der Mitte des Romans mit Beginn von „Teil 2“ gründen Gisela und ihre Freundinnen Jana, Meryam und Fred die Band „Superbusen“. Neben eingängigem Bandnamen gibt es selbstgeschriebene Lieder mit so wundervollen Titeln wie „Thomas Goletz, du hast mein Leben zerstört“, „Nutz meinen Freiraum, Baby“ oder – mein Highlight – „Sterbeschlüpfer“. Mit eher mäßiger Instrumentenbeherrschung, dafür aber umso mehr Selbstironie und Spaß an der Sache absolvieren „Superbusen“ ihre Auftritte. Dafür feiert das Publikum sie zu Recht. Ich hätte die Titel wirklich gern mal live gehört und noch lieber etwas von dem Merch gekauft, für das Gisela verantwortlich war.

Coming-of-Age-Roman mit kleinem Punktabzug

Paula Irmschler hat mit „Superbusen“ einen sehr erfrischenden Entwicklungsroman geschrieben. In Gisela konnte ich mich teils sehr gut hineinfühlen – die „Ossi-Kindheit“ prägt und verbindet eben ? Andererseits war mir die Protagonistin manchmal doch etwas übertrieben faul und antriebslos. Sie schleppt ihre Probleme durch die Gegend, findet für nichts einen Abschluss und die Liebe? Ach, hör‘ auf mit der Liebe! Trotzdem war sie mir sympathisch, wie auch die anderen Frauen im Roman. Zudem zeichnet die Autorin ein leicht überzogenes, aber im Grunde doch wahres Bild von Chemnitz, die „Stadt der Moderne“, in der manches Gedankengut allerdings von Vorgestern ist.

Punktabzug gibt es allerdings dafür, dass ernste Themen wie ungewollte Schwangerschaft, Abtreibung und Essstörung nebenbei behandelt wurden und mit einer großen Prise Sarkasmus vom Tisch gefegt wurden. Da war dann plötzlich dieser Ernst in der Geschichte, der jedoch keine Chance hatte, adäquat gehört zu werden.

Fazit: Superbusen

Abgesehen von der Tatsache, dass die ernsteren Themen ruhig mit der entsprechenden Wichtigkeit hätten behandelt werden können, fand ich den Roman wirklich gut! Sehr kurzweilig, irre komisch und mit großem Nostalgiepotenzial schubbst Paula Irmschler die Leser*innen mitten ins Leben ihrer Protagonistin. Damit „ruppt“ sie ganz sicher den ein oder anderen Tränenkanal auf. Ich habe es sehr gern gelesen und mich an meine eigene Jugend und das Studium erinnert. Von mir gibts eine klare Leseempfehlung – nicht nur für Leser*innen aus Ostdeutschland!

Superbusen

Autor*in: Paula Irmschler
Kategorie*n: Roman
ISBN: 9783548064727
Verlag: Ullstein
Seiten: 320

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