Candice Carty-Williams: Queenie

Viel Drama, viel Sex, ein bisschen Therapie und tiefe Freundschaft
Candice Carty-Williams Queenie

Queenie von Candice Carty-Williams erschien 2020 in Deutschland und gilt als das Porträt einer jungen, Schwarzen Frau, die mit den Problemen unserer heutigen Zeit zu kämpfen hat. Ich war wirklich gespannt auf dieses Buch, doch so ganz kann ich mich den Lobeshymnen auf Queenie nicht anschließen.

Queenie – Darum geht’s:

Queenie ist 25, lebt in London und stammt aus einer quirligen Familie mit jamaikanischen Wurzeln. Nach drei Jahren Beziehung verlangt ihr Freund eine Pause, sie zieht zurück in eine WG und auch auf Arbeit läuft es eher schleppend. Sie meldet sich bei einem Datingportal an und hat – wie man so schön sagt – jede Menge „Casual Sex“. Einzige Stütze sind ihre besten Freundinnen, die sie auch trotz diverser Fehlentscheidungen auf Kurs halten…

Guter Ansatz, oberflächliche Umsetzung

„Großartig: am Puls der Zeit, lustig, herzzerreißend“ wird beispielsweise die Autorin Jojo Moyes auf der Rückseite des Buches zitiert. Ich persönlich habe mich leider nach der Lektüre gefragt: Welches Buch haben bitte die anderen gelesen? Queenies Geschichte ist – leider – mit Sicherheit eine, wie sie tausende Male erzählt werden könnte. Freund macht (mehr oder weniger) Schluss, Mädchen stürzt sich zur Ablenkung in Sexabenteuer, die ihr absolut nicht guttun, lernt schließlich daraus. So weit, so gut, doch meiner Meinung nach ist das Thema oberflächlich und bisweilen sogar recht unverantwortlich dargestellt.

Queenie hat zwar einvernehmlichen Sex, doch er ist zum Teil hart und schmerzhaft, Männer behandeln sie herablassend und reduzieren sie auf gewisse körperliche Vorzüge. Queenie allerdings protestiert nicht, sie weist die Männer nicht zurück – fühlt sich danach aber klein und ungeliebt. Sie schafft es nicht, ordnungsgemäß zu verhüten, weil „sie sich hinreißen lässt“. Das ganze Drama um ihre Beziehung mit Tom und den Sexabenteuern mit irgendwelchen Ar***löchern tangiert sowohl ihre Arbeit als auch das Verhältnis zu ihren Freundinnen. Nicht zuletzt macht es Queenie selbst fertig – und dann ist da ja noch ihre Familie…

25 – oder 15?

Ich bin ganz ehrlich: Beim Lesen hatte ich nicht das Gefühl, es mit einer 25-jährigen Frau zu tun zu haben. Vielmehr verhält sich Queenie wie ein überdramatisierender Teenager, der das alles zum ersten Mal durchmacht und keine Ahnung hat, wie er sich richtig verhält. Glücklicherweise hat sie ihre drei besten Freundinnen, die wenigstens ab und zu Tacheles mit ihr sprechen und sie in die richtige Richtung schubsen. Letztlich muss Queenie aber selbst (schmerzhaft) lernen, wie sie durch diese Krise kommt.

Fazit: Queenie

Inhaltlich wie sprachlich hat mich Queenie nicht wirklich vom Hocker gerissen. Ich hatte mir wesentlich mehr erwartet, doch die Story war vorhersehbar und meiner Meinung nach nicht optimal gelöst. Die wiederholte Darstellung von absolut unverantwortlichem und ungeschütztem Sex fand ich ganz schwierig und ich kriege Bauchschmerzen beim Gedanken daran, dass dieses Buch vielleicht auch jüngere Mädchen lesen. Queenie ist dahingehend absolut kein Vorbild ☹ Trotzdem musste ich an manchen Stellen schon schmunzeln, ein gewisser Witz schwingt mit und Queenie ist zu, Teil sehr selbstironisch. Aber genau das lässt viele der angesprochenen Themen einfach zu oberflächlich und nicht so wichtig erscheinen, was meiner Meinung nach sehr schade ist. Der Roman lässt mich insgesamt mit gemischten Gefühlen zurück und ich kann lediglich eine eingeschränkte Leseempfehlung aussprechen.

Queenie

Autor*in: Candice Carty-Williams
Kategorie*n: Roman
ISBN: 978-3-7466-3873-7
Verlag: Aufbau
Seiten: 544

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