Rebecca Pert: Raue Wasser

Familie, Trauma und der Versuch einer Heilung
12. April 2026
Rebecca Pert Raue Wasser Ecco Verlag Nagel & Kimche Shetlandinseln Still Water

Raue Wasser ist der Debütroman von Rebecca Pert, der direkt ausgezeichnet wurde. Kein Wunder, denn sie legt damit eine traurig-schöne Geschichte über generationenübergreifendes Trauma vor und das vor der wilden Kulisse der Shetlandinseln.

Raue Wasser – Darum geht’s:

Jane Douglas ist das, was man eine Eigenbrötlerin nennen könnte. Sie wohnt in einem Trailer, arbeitet in einer Fischfabrik und hat mit Maik einen Menschen gefunden, dem sie sich wenigstens ein bisschen öffnet. Ihre Welt, die sie sich nach der Rückkehr auf die Shetlandinseln, aufgebaut hat, gerät ins Wanken, als ihre Mutter tot aufgefunden wird. Vor vielen Jahren war diese einfach verschwunden, als Janes kleiner Bruder starb. Jane bleibt nichts anderes übrig, als sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen und ihr Trauma aufzuarbeiten.

Tiefgründige Story vor passender Kulisse

Zunächst bin ich mit Jane nicht so richtig warm geworden, aber vielleicht soll man das auch gar nicht. Sie lebt zurückgezogen, geht ihrer täglichen Arbeit nach und vertraut nur wenigen ausgesuchten Menschen, darunter Maik und Maggie, die eine Art Mutterersatz oder Tante sein könnte. Es wird schnell klar, dass in ihrer Vergangenheit Dinge geschehen sind, die sie verdrängt hat – bewusst oder unbewusst. Als die Leiche ihrer vor vielen Jahren verschwunden Mutter gefunden wird, bekommt die Fassade tiefe Risse.

Sie beginnt, die Tagebücher ihrer Mutter Sylvia zu lesen, obwohl sie das nicht will. Doch im Grunde will Jane verstehen, wer Sylvia war, und was damals wirklich geschehen ist. Begleitet wird sie dabei von der Angst, deren psychische Krankheit geerbt zu haben, und der Notwendigkeit, sich dem Trauma ihrer Kindheit zu stellen: dem Tag, an dem ihr kleiner Bruder starb.

Langer Weg der Heilung

„Alles verstehen heißt alles verzeihen“ (S. 40) – ein Sprichwort, dass Maggie benutzt und dessen Bedeutung sich im Laufe des Buches erschließt. Was die Story ebenfalls lehrt: Man kann nicht vor der Vergangenheit flüchten – und schon gar nicht vor sich selbst. Rebecca Pert zeigt anhand Janes Geschichte, dass es Mut braucht, sich den eigenen Dämonen zu stellen, aber dass es notwendig ist, wenn man irgendwann damit abschließen und seinen Frieden finden möchte. Ich konnte mich sehr gut in Jane hineinversetzen, die über das Buch hinweg eine Wandlung durchlebt. Zum Verständnis ist es natürlich hilfreich, dass die Tagebücher von Sylvia existieren und man so als Leser*in ebenfalls begreift, was die zu Beginn junge Frau in ihrem Leben durchgemacht hat.

Fazit: Raue Wasser

Der Klappentext von Raue Wasser hat mich sehr angesprochen, auch das Cover, und doch habe ich nicht mit so viel Tiefgang gerechnet. Nach und nach erschließt sich Sylvias Leben anhand der Tagebücher und das Trauma, vom Jane glaubt, dass es sie verfolgt, kommt zum Vorschein. Mir hat Rebecca Perts Debüt wirklich sehr gut gefallen, ganz besonders, weil die Geschichte so sehr mit der rauen Landschaft der Shetlandinseln matcht. Von meiner Seite eine klare Leseempfehlung!

Raue Wasser

Autor*in: Rebecca Pert
Übersetzung: Heike Reissig
Kategorie*n: Roman
ISBN: 9783753000701
Verlag: Ecco
Seiten: 336
Copyright: Ecco Verlag

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