Alan Parks: Tod im Februar

Ein großartiger Noir-Krimi, der seinesgleichen sucht
Alan Parks Tod im Februar Titel

Tod im Februar ist bereits der zweite Band um Detective Harry McCoy von Alan Parks. Er entführt den Leser ins Glasgow der 1970er Jahre und eröffnet ihm den Blick in eine Stadt, die von Gewalt, Drogen und erbitterten Bandenkriegen geprägt ist. Daher eines vorweg: Der Kriminalroman ist nichts für Zartbesaitete!
Darum geht’s:
An einem regnerischen Februartag wird Harry McCoy auf das Dach eines Rohbaus gerufen. Ein junger, erfolgreicher Spieler von Celtic Glasgow ist auf brutale Weise verstümmelt und ermordet worden. Das Brisante dabei: Er stand kurz davor, der Schwiegersohn eines berüchtigten Gangsterbosses zu werden. Es bleibt nicht bei einem Toten und ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Doch McCoy hat es nicht nur mit der Aufklärung der bestialischen Morde zu tun. Er sieht sich auch einem Krieg gegenüber, der an verschiedenen Fronten ausgetragen wird. Eine davon ist seine eigene Vergangenheit.

„In Wirklichkeit sind wir … ich, du, alle Glasgower Polizisten … nur dazu da, den Schaden möglichst zu begrenzen. […] Deshalb wurde es Zeit, dass du die bösen Jungs kennenlernst.“ (S. 357)

Spannender Krimi und Milieustudie in einem

Mit „Tod im Februar“ ist Alan Parks meiner Meinung nach eine großartige Mischung aus spannendem Kriminalroman, der sogar einige Thrillerelemente bereithält, und einer klassischen Milieustudie gelungen. Er liefert ein so authentisches Bild von der schottischen Großstadt, dass man die von Ruß geschwärzten Fassaden der Häuser förmlich vor sich sehen, den Dunst der Industriestadt riechen und die nasse Kälte des Februars spüren kann. Es wird geraucht, getrunken, aufs Derbste geflucht und Drogen werden wie Smarties konsumiert. McCoy, der eine recht harte Vergangenheit hat, die mehr zwischen den Zeilen als direkt beschrieben wird, steht irgendwo zwischen den Stühlen. Er ist Cop – ein sehr guter – auf der einen Seite, weiß aber, dass er ohne den Kontakt zur Unterwelt keinen Schritt vorankäme. Man arrangiert sich, Korruption ist nichts Verwerfliches, eine Hand wäscht die andere. Er ist ein harter Hund, wie er im Buche steht.

„Tod sind immer alle beliebt“, sagte McCoy. „Da können sie nicht mehr nerven.“
„Ach du Scheiße“, sagte Wattie. „Hab ganz vergessen, was für ein lebensbejahender Typ du bist.“ (S. 152)

Entsprechend ist der Kriminalfall alles andere als eindimensional. Hinter dem Mord an dem Fußballspieler steckt wesentlich mehr. Es geht darum, wer das Sagen hat in Glasgows Unterwelt, persönliche Verstrickungen, Vergeltung und Selbstjustiz. Mittendrin: Harry McCoy.

Harte Sprache und viel Realität

Wer nicht mit Flüchen, derben Beschimpfungen und chauvinistischen Bemerkungen umgehen kann, der sollte die Finger von „Tod im Februar“ lassen, denn die gibt es nicht zu knapp. Der Umgangston zwischen den handelnden Figuren ist rau, hart und authentisch – vielleicht so, wie es tatsächlich in den 70ern zuging. Genau von dieser Realität lebt die Geschichte allerdings auch und macht sie zu einem typischen Noir-Krimi. Kurze Kapitel sorgen für Spannung und auch die persönlichen Dämonen, die McCoy mit sich herumträgt lassen den Leser nicht los, bis er verstanden hat, worum es wirklich geht.

Fazit: Tod im Februar

Ich habe den Kriminalroman als Rezensionsexemplar von Randomhouse erhalten und ihn begonnen, ohne den ersten Band vorher gelesen zu haben. Allerdings hatte ich nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt, im Gegenteil – die kleinen Anspielungen auf den vorherigen Fall und die Hauptfigur selbst haben Lust darauf gemacht, den Vorgängerband ebenfalls zu lesen. Mich hat das Buch begeistert, ich fand es sehr spannend und mochte die Kulisse der düsteren, dreckigen und kalten Stadt Glasgow. Wer gern Milieukrimis liest und sich nicht von der derben Sprache abschrecken lässt, sollte dieses Buch unbedingt lesen!

Tod im Februar

Autor: Alan Parks
ISBN: 978-3-453-27198-2
Verlag: Heyne
Seiten: 432
Copyright: Heyne Hardcore
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