Tomasz Jedrowski: Im Wasser sind wir schwerelos

Ein Sommer in Polen und eine Liebe, die nicht sein darf
Tomasz Jedrowski Im Wasser sind wir schwerelos Polen Warschau Hoffmann und Campe

Im Wasser sind wir schwerelos ist der gefeierte Debütroman von Tomasz Jedrowski. Als Kind polnischer Eltern, ist er in Westdeutschland aufgewachsen und hat später in Großbritannien und Frankreich studiert. Heute lebt er in der Nähe von Paris. Sein Roman ist im Verlag Hoffmann und Campe erschienen und wurde von Brigitte Jakobeit übersetzt.

Im Wasser sind wir schwerelos – Darum geht’s:

Es ist der Sommer 1980 in Warschau, Ludwik hat das Examen geschafft und muss nun am obligatorischen Ernteeinsatz auf dem Land teilnehmen. Mit dabei ist auch Janusz, zu dem sich Ludwik sofort hingezogen fühlt. Nach dem Arbeitseinsatz verbringen die beiden jungen Männer unbeschwerte Wochen an einem entlegenen See und können ihre Liebe ausleben. Zurück in Warschau müssen sie ihre Beziehung im Geheimen fortführen, denn Homosexualität ist im kommunistischen und vor allem katholischen Polen nicht gern gesehen. Während Ludwik von Freiheit und Flucht in den Westen träumt, versucht Janusz sich mit dem System zu arrangieren. Bald muss sich Ludwik entscheiden und es stellt sich die Frage: Wie viel kann eine Liebe aushalten?

Eine Liebe auf dem Prüfstand

Zugegeben, ich beschäftige mich nicht wirklich häufig mit den Herausforderungen, vor denen homosexuelle Paare stehen. Wie es noch vor 20 oder 30 Jahren war, kann ich mir erst recht nicht vorstellen, vor allem, in einem Land wie Polen. Mit fast schon poetischer Sprache und sehr einfühlsam nimmt sich Tomasz Jedrowski diesem Thema in seinem Roman an. Ludwik, der hier aus der Ich-Perspektive und adressiert an Janusz erzählt, ist unglaublich sympathisch. Ein kluger, aber verletzlicher junger Mann, der sehr genau weiß, in welcher Misere er sich befindet. Er fühlt sich zu Männern hingezogen, und auch, wenn das System es nicht explizit verbietet, so ist Homosexualität doch stigmatisiert und wird verfolgt.

So ist der Wunsch, das Land zu verlassen, nur folgerichtig – doch Janusz ist davon nicht begeistert. Er hat die Chance auf eine gute Karriere und beschwört Ludwik zu bleiben. Nach seiner Auffassung lässt sich beides – Liebe und offizielle Haltung – unter einen Hut bringen. Beide Sichten laufen darauf hinaus, dass Opfer gebracht werden müssen, und gleichzeitig müssen sich die beiden entscheiden. Was ist wichtiger? Ihre Liebe zueinander oder sich selbst dabei nicht zu verraten?

Gefühlvoll, ohne Kitsch

Mit Ludwik ist dem Autor ein vielschichtiger Charakter gelungen, der seinen Platz in der Gesellschaft sucht – irgendwo zwischen Liebe und Politik. Es wird beim Lesen so deutlich, wie hin- und hergerissen er ist, wie wichtig ihm Janusz ist, aber auch, wie wichtig ihm ist, ehrlich zu sein. Ein weiterer toller Charakter ist Karolina, Ludwiks Studienfreundin, die sehr genau weiß, wie es ihm geht. Das Buch hält eine Fülle von Emotionen bereit, es ist gefühlvoll, dramatisch, gewitzt und melancholisch – alles völlig ohne Kitsch. Ich habe am Ende doch ein paar Tränen in den Augen gehabt und die Story hat mich noch eine Weile beschäftigt.

Fazit: Im Wasser sind wir schwerelos

Ich habe Tomasz Jedrowskis Roman wirklich sehr gern gelesen. Er ist ruhig und gefühlvoll, beinahe poetisch geschrieben, und doch wahnsinnig spannend. Ich habe das Kennenlernen und die Beziehung von Ludwik und Janusz gern verfolgt und wollte unbedingt wissen, wie sich die beiden letztlich entscheiden. Es gab einige Wendungen, die ich nicht hatte kommen sehen und die mich teils sehr berührt haben. Eine absolute Leseempfehlung von mir, gerade weil die Thematik so sensibel und doch so wichtig und wissenswert ist!

Im Wasser sind wir schwerelos

Autor*in: Tomasz Jedrowski
Kategorie*n: Roman
ISBN: 978-3-455-01139-5
Verlag: Hoffmann und Campe
Seiten: 224

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