Mechthild Borrmann: Trümmerkind

Historischer Kriminalroman und Familiengeschichte in einem
Mechthild Borrmann Trümmerkind

Trümmerkind von Mechthild Borrmann war nach dem Erscheinen über mehrere Monate sehr weit oben auf den Bestsellerlisten zu finden – völlig zu Recht! Auf 300 Seiten hat sie eine ebenso spannende wie berührende Geschichte verfasst, bei der vergangene Ereignisse auch die der Gegenwart beeinflussen.

Trümmerkind – Darum geht’s:

Im bitterkalten Jahrhundertwinter 1946/47 kämpft der 14-jährige Hanno Dietz mit seiner Familie im zerstörten Hamburg ums Überleben. Bei der Suche nach verwertbaren Teilen für den Schwarzmarkt entdeckt er eines Tages ein Kleinkind. Neben dem etwa dreijährigen Jungen liegt eine nackte Tote. Hanno erzählt keinem von dem grausigen Fund, doch der kleine Junge wächst fortan bei der Familie Dietz auf. Mehr als 45 Jahre später stößt das einstige „Trümmerkind“ durch Zufall auf eine Spur, die nicht nur zu einem Verbrechen in der Vergangenheit führt. Sie ist auch eng mit seiner eigenen Geschichte verknüpft.

Gelungene Verknüpfung von Krimi und Historie

Auf unterschiedlichen Zeitebenen und aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt Mechthild Borrmann die Geschichte des Trümmerkindes. Sie spannt dabei einen Bogen von den Ereignissen Anfang 1945 bis hinein in die Jahre 1992/1993. Nach und nach führt sie so die einzelnen Erzählstränge mit ihren jeweiligen Protagonisten zusammen, bis der Leser am Ende die ganze Tragweite der Geschehnisse vor sich sieht. Dabei werden sowohl historische Gegebenheiten eindrücklich und nachvollziehbar dargestellt als auch das Seelenleben der Figuren näher beleuchtet. In der Mischung ist „Trümmerkind“ eine wirklich gelungene Verknüpfung von Familien- und Kriminalroman.

Emotional, spannend und eindrücklich erzählt

Mit ihrer Sprache, die einigen Wert auf Details legt, schafft es Mechthild Borrmann, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. Beim Lesen kann man sich die furchtbaren Umstände sehr gut vorstellen, unter denen die Menschen nach dem Krieg leben mussten. Jugendliche, für die ein Toter ein normaler Anblick ist, halb verhungerte und frierende Menschen, Steineklopfen in den Trümmern. All das beschreibt das Buch sehr eindrücklich und manchmal auch zwischen den Zeilen. Den historischen Fakten gegenüber stehen die Vorstellungen und Ansichten der handelnden Personen sowie deren Beziehungen zueinander. Die Schreibweise und der Perspektivwechsel hatten einen tollen Sog, dem ich mich schlecht entziehen konnte. So ist es kein Wunder, dass ich das Buch innerhalb von zwei Nachmittag gelesen habe.

Fazit: Trümmerkind

Allen, die sich für historische Roman interessieren, deren Story sich nicht in den Fakten verliert, kann ich „Trümmerkind“ ans Herz legen. Natürlich ist die Geschichte der Familien konstruiert und große Zufälle spielen eine Rolle. Doch alles in allem ist es ein wirklich gelungener Roman, der sich so hätte zutragen können, vor allem, wenn man die Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg bedenkt. Ein Lesevergnügen, das mitfiebern und rätseln lässt sowie zum Nachdenken anregt. Für mich durchaus Anstoß, meine eigene Familiengeschichte noch einmal genauer zu betrachten. Von mir bekommt „Trümmerkind“ eine ganz klare Leseempfehlung!

Trümmerkind

Autor*in: Mechthild Borrmann
ISBN: 978-3-426-30492-1
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 304
Copyright: Droemer Knaur
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