Victoria Mas: Die Tanzenden

Feinfühliger Roman über einen gefürchteten Ort mitten in Paris
Die Tanzenden Victoria Mas Le bal des folles Paris Salpetriere histprischer Roman Piper Verlag

Die Tanzenden ist der Debütroman von Victoria Mas, die an der Sorbonne in Paris Literatur studierte. Neben der berühmt-berüchtigten Salpêtrière geht es im Roman der französischen Schriftstellerin vor allem um die Frauen, die dort lebten.

Die Tanzenden – Darum geht’s:

An einem Märzabend im Jahre 1885 folgen zahlreiche Pariser Bürger*innen der Einladung in die Salpêtrière – ein Ort, vor dem sich vor allem die Frauen der höheren gesellschaftlichen Kreise fürchten. Doch die Neugier siegt, denn es findet der jährliche Ball statt, den die Insassinnen organisieren. Man fragt sich, ob die Frauen wirklich verrückt sind, und hofft insgeheim doch darauf, vielleicht Zeuge von einem der berüchtigten hysterischen Anfälle zu werden. Für Louise und Eugénie, zwei junge Insassinnen, steht an diesem Abend jedoch noch viel mehr auf dem Spiel.

Leben hinter verschlossenen Türen

In einem Moment leben die Frauen von Paris ihr Leben, doch schon im nächsten können eine unüberlegte Handlung, eine vermeintlich hysterische Reaktion oder trotzige Widerworte ernsthafte Konsequenzen haben. Es ist noch nicht allzu lang her, da wurden „auffällige“ Frauen oder jene, die am Rande der Gesellschaft lebten, einfach weggeschlossen. Meist, ohne dass sie etwas dazu sagen durften, denn die Väter, Ehemänner und Brüder hatten das Sagen. Eine dieser jungen Frauen, die ohne Vorwarnung in die Salpêtrière überstellt wird, ist Eugénie, die Tochter eines angesehenen Notars. Sie hat eine besondere Gabe, die in den Augen ihres Vaters jedoch als krank gilt.

„Keine Spur von Hysterikerinnen, die barfüßig durch die kalten Gänge tanzen. Stattdessen herrscht hier nur ein stiller und alltäglicher Kampf um Normalität.“ (S. 13)

Hinter den geschlossenen Türen gehen die Frauen ihrem eher langweiligen Tagwerk nach. Die medizinischen Untersuchungen sind demütigend, besonders, wenn sie vor einer Vielzahl Ärzte stattfinden. In den Augen der Männer sind die Frauen nichts weiter als amüsante Studienobjekte, die es zu erforschen gilt. Eugénie wird Zeugin von mutwillig hervorgerufenen Anfällen und Behandlungen, die heute als Körperverletzung gelten würden. Besonders hart trifft es die gerade einmal sechzehnjährige Louise. Und dann ist da noch Geneviève, die ältliche Aufseherin, die seit vielen Jahren ein strenges Auge auf die Insassinnen hat…

Drei Frauen, drei Geschichten

Eugénie, Louise und Geneviève – nacheinander lernen die Leser*innen die drei Frauen kennen, die ganz verschiedene Gründe in die Salpêtrière geführt haben. Im Laufe der Geschichte, und dank einiger Rückblenden, erfährt man mehr Details und je näher der Ballabend rückt, desto mehr spitzt sich die Situation zu. Denn das Leben aller drei Frauen wird an diesem Abend eine entscheidende Wendung nehmen.

Fazit: Die Tanzenden

Victoria Mas‘ historischer Roman liefert einen interessanten und teils durchaus erschütternden Einblick in den Umgang mit Patientinnen, die damals als „nicht normal“ galten. Mütter, Töchter, Schwestern – weggesperrt und letztlich sich selbst überlassen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und es hätte durchaus noch etwas umfangreicher sein können. Auch wenn es nicht reißerisch geschrieben ist, so ist es doch spannend, denn man fragt sich, was am Abend des Balls wohl passieren wird. Das Ende war mir ein bisschen zu offen, vor allem hinsichtlich einer der Figuren. Insgesamt aber eine klare Leseempfehlung!

Schon gewusst?
„Die Tanzenden“, im französischen Original „Le bal des folles“, wurde bereits verfilmt. Mélanie Laurent adaptierte den Roman und führte auch Regie. Hier gibt’s den Trailer für euch:

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Victoria Mas: Die Tanzenden

Autor*in: Victoria Mas: Die Tanzenden
Kategorie*n: Historischer Roman
ISBN: 978-3-492-31789-4
Verlag: Piper
Seiten: 240
Copyright: Piper Verlag

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