Yaa Gyasi: Heimkehren

Berührende Familiengeschichte über zwei Jahrhunderte
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Heimkehren ist der Debütroman von Yaa Gyasi, der direkt zum weltweiten Bestseller wurde. Es ist eine Familiengeschichte, die sich über einen Zeitraum von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis fast in die Gegenwart erstreckt.

Heimkehren – Darum geht’s:

Effia und Esi sind Schwestern, doch sie werden sich nie kennenlernen. Die eine, Effia, heiratet einen weißen Mann, der durch den Sklavenhandel zu Ansehen und Wohlstand kommt. Esi hingegen wird als Sklavin nach Amerika verkauft. Ausgehend von den beiden Frauen verfolgt das Buch die Geschichte ihrer jeweiligen Nachfahren – immer eine Person pro Generation – bis in die Gegenwart.

Familien- und Weltgeschichte in einem

Die Geschichte der beiden Schwestern, die Yaa Gyasi im Roman erzählt, ist gleichzeitig auch die Geschichte der Sklaverei in Afrika und Amerika. Anhand der Einblicke in die völlig verschiedenen Leben der einzelnen aufeinanderfolgenden Figuren und Generationen kann man als Leser*in auch die historische Entwicklung nachvollziehen. Das betrifft vor allem den Strang von Esi und ihren Nachkommen, aber auch in Effias Familiengeschichte in Ghana spielt die Sklaverei eine Rolle. Immer abwechselnd wird der Werdegang der einen und dann der anderen Familie anhand jeweils einer Person beschrieben. Dabei gibt es Verweise auf Eltern und Großeltern, sodass man die jeweiligen Leben sehr gut einordnen kann.

Manches kommt zu kurz

Auf gerade einmal 400 Seiten spannt Yaa Gyasi eine Familiengeschichte, die etwa um 1750 beginnt und bis fast in die Gegenwart reicht. Insgesamt wird das Leben von 14 Personen beleuchtet, abwechselnd aus Effias bzw. Esis Familie. Entsprechend ausschnitthaft sind die Kapitel und liefern nur einen Einblick in eine jeweils recht kurze Zeitspanne in den sehr verschiedenen Leben. Aufgrund der Bezugnahme in vorherigen oder nachfolgenden Kapiteln entstehen doch recht runde Bilder von den jeweiligen Figuren, doch Manches kam mir zu kurz. Einige Geschichten sind interessanter als andere und da hätte ich mir dann doch etwas mehr Informationen gewünscht. So bleib kaum Zeit, eine Person richtig kennenzulernen, bevor die Reise mit der nächsten Person – aus dem anderen Familienstrang – weiterging.

Nüchterne Sprache, die doch berührt

Das Buch lässt sich insgesamt sehr schnell und leicht lesen. Die Autorin hält sich nicht mit überbordenden oder gewollt poetischen Formulierungen auf. Ich würde den Stil als recht nüchtern beschreiben und doch führt auch gerade das dazu, dass der Inhalt doch berührt. Die Schicksale – manche mehr, manche weniger – haben mich doch mitgenommen und gerade den Strang, der in den USA spielt, fand ich sehr interessant. Es gibt einige Situationen, die brutal sind, doch auch hier versteht es die Autorin, eine Sprache zu wählen, die zwar beschreibend ist und doch den Inhalt nicht weniger wichtig erscheinen lässt.

Fazit: Heimkehren

Für viele Buchliebhaber gehörte „Heimkehren“ 2020 zu den absoluten Lesehighlights. Zu 100 Prozent kann ich den Hype zwar nicht nachvollziehen, doch ein lesenswertes Buch ist es unbedingt. Inhaltlich kam mir Manches leider zu kurz, aber alles in allem ist die Geschichte der beiden Frauen und ihrer Nachkommen doch bewegend und spannend. Vor allem, weil das Buch die Geschichte der Sklaverei oder generell der Farbigen in den USA nachvollzieht und anhand der greifbaren Figuren auf eine persönliche Ebene hebt. So werden die historischen Ereignisse, die im Gebiet des heutigen Ghana ihren Anfang nahmen, lebendig. Ein gelungener Roman, den ich sehr empfehlen möchte!

Heimkehren

Autor*in: Yaa Gyasi
Kategorie*n: Historischer Roman
ISBN: 978-3-8321-6460-7
Verlag: Dumont
Seiten: 416
Copyright: Dumont Verlag

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