Christoph Heiden: Zurück im Zorn

Rückkehr ins tiefste Brandenburg, um endlich die Wahrheit zu erfahren
Christoph Heiden Zurück im Zorn

Zurück im Zorn ist ein Thriller von Christoph Heiden, der 2020 beim Gmeiner Verlag erschienen ist und den ich als Rezensionsexemplar lesen durfte. „Zerbrochene Existenzen und ein Dorf im Abgrund“, heißt es im Klappentext, der mich sehr neugierig gemacht hat.

Darum geht’s:
Im Winter 1995 löscht ein Feuer beinahe eine ganze Familie aus. Einzige Überlebende ist die zwölfjährige Anna. 20 Jahre später erhält sie mysteriöse Drohbriefe, die sie schließlich dazu veranlassen, in ihr Heimatdorf Gollwitz in Brandenburg zurückzukehren. Sie wird nicht gerade mit offenen Armen empfangen, denn Anna erinnert die Einwohner an die verheerende Brandserie, deren Höhepunkt der Tod ihrer Eltern und ihres Bruder waren. Alle wollen das Geschehene vergessen – alle, bis auf Willy Urban, Ex-Polizist und damals verantwortlich für die Ermittlungen. Und dann ist da noch Martin Berger, der Brandstifter, der nach 20 Jahren aus der psychiatrischen Anstalt heimkehrt. Kommt die Wahrheit endlich ans Licht?

Roman, Krimi und ein bisschen Thriller

Mit Zurück im Zorn hat Christoph Heiden einen Roman geschaffen, der sich keinem Genre so richtig zuordnen lässt. Teils gesellschaftskritischer Roman, teils Krimi mit Slow-Thrill-Elementen, schickt das Buch den Leser auf eine Reise in die Vergangenheit. Gemeinsam mit Anna Majakowski will man herausfinden, was an dem Abend im März 1995, als „Wetten, dass …?!“ im Fernsehen lief, wirklich geschehen ist. Steckte wirklich Martin Berger, Spross aus einem zerrütteten Elternhaus, hinter allen Bränden? Was treibt den Ex-Polizisten Willy Urban an? Wissen die Gollwitzer mehr, als sie verraten wollen? Fragen über Fragen, die den Leser durch das Buch fliegen lassen.

Kauzige Charaktere und schwarzer Humor

Neben Anna Majakowski, die ein leichtes Aggressionsproblem hat, und Willy Urban, der ein leichtes Alkoholproblem hat, tauchen zahlreiche weitere Personen auf, die alle ihr Päckchen zu tragen haben. Keiner ist frei von Schuld, fast jeder hatte oder hat Träume, die mehr oder meistens weniger in Erfüllung gegangen sind. Vorn im Buch gibt es sowohl eine Karte von Gollwitz und Umgebung als auch ein Personenverzeichnis, um den Überblick nicht zu verlieren. Ich persönlich habe es nicht gebraucht, weil ich mir die Personen sehr bildhaft vorstellen konnte und zugegeben, Spitznamen wie „Psycho-Danny“ haben sehr bei der Identifikation geholfen. Generell strotzt dieses Buch vor Dialogen mit kernigem Schlagabtausch und schwarzem Humor – das muss man mögen, aber mir hat es sehr gefallen. Anhand des Covers hatte ich mir das Buch und den Fortgang der Geschichte eher düster vorgestellt. Die teils lockere Sprache und der unterschwellige Witz, der manchmal an Sarkasmus grenzt, haben mich daher erst etwas überrascht, aber es passt erstaunlich gut. Genau mein Humor 😉

Fazit: Zurück im Zorn

Ein klassischer Thriller ist Zurück im Zorn meiner Meinung nach nicht. Eher eine Mischung aus verschiedenen Genres, jedoch mit einer unterschwelligen Spannung, die den Leser immer weiter lesen lassen. Die kurzen Kapitel – mit teils wirklich sehr gut gewählten Überschriften – und die Perspektivwechsel fördern den Lesefluss. Ich wollte unbedingt wissen, wer denn nun tatsächlich für den Brand und den Tod von drei Menschen 1995 verantwortlich ist. Eine Antwort darauf habe ich bekommen, doch sie kam für mich dann zu schnell und das Ende des Buches zu abrupt. Die Protagonistin hat auf die Enthüllungen leider so gar nicht reagiert, obwohl es ja um ihre Familie geht, und es verblieben einige lose Enden. Alles in allem aber doch ein sehr gutes Buch, das mich kurzweilig unterhalten hat und für das ich eine Leseempfehlung aussprechen möchte!

Zurück im Zorn

Autor: Christoph Heiden
Kategorie*n: Thriller
ISBN: 978-3-8392-2644-5
Verlag: Gmeiner
Seiten: 344
Copyright: Gmeiner Verlag
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