Carsten Henn: Der Geschichtenbäcker

Ein Buch, so wohltuend wie frisch gebackenes, ofenwarmes Brot
Carsten Henn Der Geschichtenbäcker Pendo Piper Verlag

Der Geschichtenbäcker ist nach „Der Buchspazierer“, der zweite Roman von Carsten Henn, der in einer nicht näher genannten deutschen Kleinstadt spielt. Die Hauptrollen spielen diesmal jedoch eine ehemalige Tänzerin und ein Bäcker, der ursprünglich aus Italien kommt. Neben dem gleichen Schauplatz haben die Bücher noch etwas gemein: Sie sind so richtig was fürs Herz.

Der Geschichtenbäcker – Darum geht’s:

Seit ihrem Karriereende ist Tänzerin Sofie nicht mehr dieselbe. Eine andere hat ihren Platz im Ensemble eingenommen und Sofie muss einen neuen Weg suchen. Den Aushilfsjob in der kleinen Bäckerei von Giacomo wollte sie eigentlich nach einem Tag wieder kündigen, doch etwas fasziniert sie an der Art, wie der italienische Bäcker mit dem Teig umgeht. Brot backen ist fast wie ein Tanz, es braucht Gefühl und Rhythmus. Außerdem hat Giacomo die ein oder andere einfache Weisheit parat, die Sofie wieder Mut machen.

Mehr als nur Brot backen

Seit Jahren hat Bäcker Giacomo seine Rituale – vom Anheizen des alten Ofens, über das Kneten des Teiges bis hin zur Anordnung der Brote im Verkaufsraum. Gesellschaft leistet ihm die Dackeldame „Motte“ und bald auch Sofie, die zunächst nur zuschauen soll. Dabei erkennt sie schnell, dass dieses alte Handwerk viel mehr beinhaltet als einfach nur Brot zu backen. Es werden alle Sinne benötigt und Giacomo zeigt ihr, dass sich sogar Gefühle „verbacken“ lassen. Als ehemalige Tänzerin sind ihr Rhythmus und Bewegung in Fleisch und Blut übergegangen. Damit hat sie sogar beste Voraussetzungen, um Bäckerin zu werden.

„Für manche ist ein Beruf wie ein Goldstück, das mit jeder Berührung ein wenig stumpfer wird. Für andere ist er eine Perle, die mit jeder Berührung mehr glänzt.“ (S. 90)

Feinsinnige Charakterzeichnung

Wie schon bei „Der Buchspazierer“ gelingt es Carsten Henn auch in diesem Buch wieder, die unterschiedlichen Charaktere auf liebevolle Weise zu zeichnen. Jede*r hat natürlich ihre*seine Vorgeschichte und ist selbstverständlich auch nicht frei von Fehlern oder traurigen Begebenheiten, die das Leben geprägt haben. Die Geschichte kommt auf den ersten Blick leicht daher, doch es gibt einige emotionale Momente und Geheimnisse, die erst nach und nach gelüftet werden. Dazu ist das Buch erneut gespickt mit wundervollen Zitaten, die geradezu danach „schreien“, mit einem bunten Fähnchen markiert zu werden.

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Bücher und Geschichten

Der erste Roman war etwas „buchlastiger“, doch auch in „Der Geschichtenbäcker“ spielen Bücher und vor allem die Geschichten, die die Menschen selbst erzählen, eine wichtige Rolle. Außerdem trifft die*der Leser*in zwei alte Bekannte gleich auf den ersten Seiten. Das fand ich sehr süß, da so deutlich wird, dass der Handlungsort beider Bücher derselbe ist. Nur spielen eben andere Charaktere eine Rolle.

Fazit: Der Geschichtenbäcker

Ebenso wie „Der Buchspazierer“ war auch „Der Geschichtenbäcker“ für mich ein echtes Wohlfühlbuch, in das man sehr schön eintauchen und die Zeit vergessen kann. Es ist unheimlich liebevoll geschrieben, jedoch ohne kitschig zu sein. Diese Gratwanderung ist nicht leicht, gelingt Carsten Henn aber zum wiederholten Male. Für mich ein absolut lesenswertes Buch über die kleinen Dinge im Leben, die einen großen Unterschied machen können. Unbedingte Leseempfehlung! 😊

Der Geschichtenbäcker

Autor*in: Carsten Henn
Kategorie*n: Roman
ISBN: 978-3-492-07134-5
Verlag: Piper
Seiten: 256
Copyright: Piper

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