Der Gott des Waldes ist nach „Long Bright River“ (erschienen 2020) der zweite Roman von Liz Moore. Wie schon der vorhergehende Roman lässt sich auch dieser nicht nur einem Genre zuschreiben, sondern ist eine gekonnte und vor allem spannende Mischung…
Der Gott des Waldes – Darum geht’s:
Sommer 1975: Eigentlich soll es wie jedes Jahr eine entspannte Ferienzeit sein im Camp Emerson, mitten im Naturreservat, das der wohlhabenden Familie van Laar gehört. Doch eines Morgens ist die 13-jährige Barbara verschwunden. Dass ein Kind nicht mehr in seiner Koje liegt, ist schlimm genug, doch Barbara ist die Tochter der van Laars und nicht nur das: 14 Jahre zuvor ist ihr Bruder Bear ebenfalls verschwunden und wird seitdem vermisst. Eine groß angelegte Suche startet, die nach und nach alte Geheimnisse und die ganze Wahrheit ans Licht bringt…
Krimi und Familiengeschichte
„Das Bett ist leer.“ – So lautet der erste Satz des Buches und in diesen wenigen Worten schwingt schon ein Unheil mit. Als Leser*in steht man direkt gemeinsam mit Betreuerin Louise im „Haus Balsam“, einer der Hütten, in der die Kinder des Sommercamps untergebracht sind. Was als mulmiges Gefühl von „Hier stimmt etwas nicht“ beginnt, wird schnell zur bösen Vorahnung: Was, wenn sich die Geschichte wiederholt und nun auch das zweite Kind der van Laars für immer verschwindet?
Das Camp verwandelt sich vom idyllischen Ferienlager in die Schaltzentrale einer Suche und Ermittlung. Mittendrin: die Familie van Laar, Tracy – die Leiterin des Camps und verschiedene andere Figuren. Die Geschichte wird abwechselnd aus den verschiedenen Perspektiven sowie mit einigen Rückschauen erzählt. Nach und nach ergeben diese Puzzleteile ein großes Ganzes, ein Bild, das Liz Moore wirklich vortrefflich konstruiert hat.
Niemand ist ohne Geheimnisse…
Super spannend fand ich, welche persönlichen Erlebnisse die einzelnen Figuren geprägt haben und welche „Päckchen“ sie mit sich herumschleppen. Manche sind größer als andere und es wird deutlich: Jede*r, wirklich jede*r hat ein Geheimnis, oder gleich mehrere… Es macht viel Spaß, tief in diese Geschichte und das Setting mitten im vermeintlich idyllischen Naturparadies einzutauchen. Dabei ist das Buch nicht rasant erzählt wie ein Thriller, sondern entspinnt sich eher langsam. Das sorgt allerdings dafür, dass man das drohende Unheil förmlich packen kann, man weiß genau: Hier passiert etwas Schlimmes.
Fazit: Der Gott des Waldes
Es hat ein wenig gedauert, dieses Buch zu lesen, doch rückblickend mochte ich jede Seite davon. Es ist klug konstruiert und das Setting so gut beschrieben, dass man schnell mittendrin ist. Die Figuren zu begleiten, ist spannend und letztlich hinter die Wahrheit zu kommen, durchaus überraschend. Das Beste daran ist meiner Meinung nach die Genremischung: Ein historischer Roman mit authentischem Setting, der viel von einem Krimi hat, ohne explizit einer zu sein. Ich habe „Der Gott des Waldes“ sehr gern gelesen und kann es nur wärmstens empfehlen.




